F.A.Z. Bücher-Podcast

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00:00:07:

00:00:10: Ich versuche nicht, über mich selbst zu schreiben, sondern Figuren zu konstruieren, die universell sind und repräsentativ für ihre Generation und für ihren Blick auf die Welt in ihrer Epoche.

00:00:23: Sagt die französische Schriftstellerin Leila Slimani über ihren neuen Roman, tragt das Feuer weiter.

00:00:30: Wer ist Leila Slimani?

00:00:32: Sie wurde am dritten Oktober, in Marokko, in Rabat geboren und wuchs mit ihren beiden Schwestern dort auf.

00:00:39: Ihre Mutter, eine Elsässerin mit algerischen Wurzeln, war Ärztin.

00:00:44: In ihrer Familie wurde französisch gesprochen.

00:00:46: Ihr Vater war von dem Jahr die Wirtschaftsminister von Marokko.

00:00:52: Später leitete er eine Bank.

00:00:54: In dem Jahr war er wegen Veruntreuung zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

00:01:03: Im Elternhaus wurde Französisch gesprochen.

00:01:06: Nach der Schule ging Leila Slimani zum Studium nach Paris an die elite Universität Sciences Po und berichtete, bevor sie Schriftstellerin wurde, als Journalistin für die Zeitschrift Jeanne Afrique über nordafrikanische Themen.

00:01:21: Und genau von dieser Zeit handelt ihr Roman-Trag das Feuer weiter, der gerade in deutscher Übersetzung von Amelie Thoma im Luchterhandverlag erschienen ist und dem wir diese Sonderfolge des FAZ Bücher Podcasts widmen möchten.

00:01:37: Im Rahmen unseres Buchklubsprojektes gemeinsam lesen, laden wir sie in Kooperation mit Talia ein, trag das Feuer weiter mitzulesen und mit uns und untereinander darüber zu diskutieren.

00:01:52: In den Show Notes finden Sie einen Link zu unserem FAZ Literatur-Newsletter und zum Buchcirkel.

00:02:00: Zusammen wollen wir heute Übertrag das Feuer weitersprechen.

00:02:03: Wovon genau handelt der Roman?

00:02:05: Was macht ihn so besonders?

00:02:06: Und wie ist er in das Werk der französischen Autorin einzuordnen?

00:02:11: Dabei wollen wir auch versuchen, auf Fragen zu antworten, die sie und die ihr uns als Sprachnachricht geschickt habt.

00:02:18: Und für die wir uns bedanken.

00:02:20: Herzlich willkommen im FAZ Bücher Podcast.

00:02:23: Mein Name ist Julia Enke.

00:02:25: Mein Name ist Sandra Kegel und wir freuen uns sehr, dass Sie dabei sind.

00:02:43: Wer alle Episoden hören will, an jedem Sonntag eine neue und wer auch alle anderen Podcaste FAZ und alle Artikel bei Fatsnet und in unseren Apps erreichen will, kann jetzt drei Monate lang für ein Euro im Monat FAZ plus testen.

00:02:59: Wie das geht, lesen Sie auch in den Shownotes.

00:03:03: Tragt das Feuer weiter beginnt mit einer Szene, die im Jahr Eine junge Frau, die ich erzähle, sie heißt Mia Dawoud, geht zum Arzt, weil sie unter Brainfog leidet, also Gehirnnebel, wie ein Neurologe diagnostiziert.

00:03:19: Offenbar, jedenfalls liegt der Arzt das nahe, hat das mit einer Corona-Erkrankung der Patientin zu tun.

00:03:26: Sie hat Angst, all ihre Erinnerungen verloren zu haben, aber der Neurologe, also der Arzt beruhigt sie, sie sprechen von Proust, sagt er zu ihr, wenn ich ihnen einen Rat geben darf, man Moselle, finden sie ihre Madeleine.

00:03:39: Das ist eine Anspielung auf Marcel Proust, berühmtes Werk auf der Suche nach der verlorenen Zeit.

00:03:45: Und der Erzähler durch eine in Tee getauchte Madeleine, also ein Gebäck, sich unwillkürlich an lauter Szenen seiner Vergangenheit erinnert.

00:03:54: Es geht also um Erinnerung.

00:03:56: Hast du Sandra Leila Slimanis Roman, trag das Feuer weiter als Erinnerungsroman gelesen?

00:04:03: Das habe ich in der Tat eigentlich, die ganze Trilogie ist ein großes Erinnerungsepos.

00:04:09: Und der Unterschied zu Prost, und das ist das Interessante, so arbeitet ja Leila Slimani immer mit Erwartungen, die sie weckt und dann nicht erfüllt, dass es eigentlich bei Leila Slimani keine Mudlands gibt.

00:04:21: Es gibt sozusagen kein Dingsymbol, dass bei der Erzählerin, der Schriftstellerin Mia die Erinnerung auslöst, sondern es ist eigentlich die Suchbewegung, die so etwas wie Erinnerung ins Werk setzt.

00:04:37: Und die ... Die Frage, wo komme ich eigentlich her, was ist Herkunft?

00:04:41: Und das ist natürlich das, was diese ganze Trilogie ausmacht.

00:04:45: Das ist ja jetzt der Abschlussband, tragt das Feuer weiter.

00:04:49: Der Endpunkt eines gigantischen Projektes, das sich Leila Slimani vorgenommen hat, nämlich nicht nur die Geschichte von Marokko über einen Zeitraum von fast hundert Jahren zu erzählen.

00:05:02: sondern eben das zu spiegeln in einer Familiengeschichte, die auch noch große Ähnlichkeiten mit ihrer eigenen Familiengeschichte aufweist.

00:05:13: Sie stammt ja selbst von einer marokkanischen Familie, wie du es eingangs schon erwähnt hast.

00:05:19: Und das Besondere ist, wie diese drei Bände eben ineinandergreifen.

00:05:23: Der erste Band, die Lisa erinnern sich vielleicht noch, die es gelesen haben, heißt das Land der anderen und handelt von der Großeltern-Generation, eben der französischen, jungen Frau aus dem Elsass, die sich in Amine verliebt.

00:05:38: Genau, nach dem Krieg, jetzt zu sein.

00:05:40: Ganz genau.

00:05:41: Und das zweite Buch handelt dann hauptsächlich von Aicha, deren Tochter, die in Straßburg Medizin studiert hat, zurück.

00:05:49: in das befreite Marokko.

00:05:52: Und jetzt sind wir eben in den Achtzigerjahren und wir haben es jetzt mit der dritten Generation zu tun.

00:05:57: Ich fand auch, ich fand interessant, dass dieses Madeleine-Motiv auftauchte und man war, dadurch wurden Erwartungen geschürt.

00:06:04: und du hast recht, Leila Simani.

00:06:07: Schürt gerne Erwartungen, die sie nicht einlöst.

00:06:10: Weil man dachte, wo fängt jetzt die Spurensuche an?

00:06:14: Vielleicht kommen wir später noch darauf, dass es tatsächlich eine Spurensuche gibt.

00:06:19: Aber erst mal wird man allein gelassen.

00:06:21: Es gibt nur diesen Besuch beim Arzt.

00:06:23: Dann setzt die Handlung sofort ein in Algerien.

00:06:26: Hier ist es das erste Mal, dass ihre eigene Generation ins Spiel kommt.

00:06:31: Das war bei den Wänden davor nicht.

00:06:34: Wir haben hier eine Sprachnachrichtung.

00:06:36: von Johanna aus Hildesheim einbringen und beantworten zu diesen drei Bänden dieser Trilogie eine Frage.

00:06:48: Und

00:07:02: was meinst du?

00:07:03: Ich denke auf jeden Fall.

00:07:04: Also ich finde, natürlich kann man die alle drei, das ist ein unglaublich interessantes Werk, die alle drei zusammen hintereinander wegzulesen.

00:07:12: Die sind ja auch alle sehr dick.

00:07:13: Also das ist ein großes Lese-Pensum, aber tragt das Feuer weiter, kann man ohne Weiteres, weil es eben auch eigentlich so nah an unserer Gegenwart dran ist, als eigenständiges Buch wie auch die anderen, die kann man eigentlich alle als eigenständige Bücher empfehlen und lesen.

00:07:30: Find ich auch.

00:07:31: Das ist wirklich, da braucht man viel Zeit für alle drei Bände.

00:07:35: Aber das Vergnügen steigt natürlich, wenn man sieht, wie kunstvoll sie die einzelnen Lebensläufe durch diese drei Bücher hindurch verfolgt.

00:07:44: Also von gerade diese Großeltern, die sie als junge Menschen porträtiert, das hat sie natürlich sich alles ... An recherchiert, das ist ja die Zeit, die sie nicht selber erlebt hat, nach dem Krieg, in Krieg und nach dem Krieg, bis in die Gegenwart.

00:07:58: Und auch

00:08:01: im mittleren Teil wählt ja auch so ein Hauch von abend.

00:08:04: Da geht es auch um Befreiung.

00:08:05: Freiheit, Befreiung ist ja sowieso auch eines der Grundmotive.

00:08:09: Und diese Figuren sind, das kann man sagen, in diesen drei Bänden.

00:08:13: immer dieselben.

00:08:14: Also man erfährt ihre ganzen Biografien und es gibt am Ende vielleicht auch als ein bisschen als Hilfestellung, wenn man nochmal vergessen hat, wer, wer ist in der Familie.

00:08:23: Ich musste da selber mal nachschauen bei der Tante.

00:08:26: Wie heißt die nochmal?

00:08:27: Gibt es so ein Register, wo nochmal kurz drin steht, wer zu wem welcher Lebenslauf gehört?

00:08:34: Da kann man sich dann auch ganz gut daran orientieren.

00:08:36: Also es ist jetzt nicht so wie in russischen Romanen, wo auf jeder Seite zwölf Namen vorkommen.

00:08:40: Aber es sind Figuren, die die alle eine Biografie haben und einen Abriss von diesen Biografien gibt es dann extra noch mal dazu.

00:08:48: Die Tante ist übrigens eine meiner Lieblingsfiguren.

00:08:50: Sie läuft ja so ein bisschen am Rand, parallel zu dieser Familiengeschichte.

00:08:55: Sie ist eben keine Frau in einer klassischen Familienkonstellation und hat so einen, was ja Leila Slimani auch wichtig ist, so einen feministischen Kontrapunkt, den sie immer setzt.

00:09:06: Und wenn man sich jetzt noch mal vergegenwärtigt, dass der ... Erste Band eigentlich in eine Marokko spielt, das noch französische Kolonie ist.

00:09:16: Der zweite Band spielt dann sozusagen in den Wirren der Unabhängigkeitskämpfe.

00:09:22: Und der Dritte eben im Königreich Marokko unter Hassern.

00:09:26: Dem zweiten, ich hab also auch sehr viel, muss ich sagen, historisches über Marokko.

00:09:31: Absolut.

00:09:31: Über diesen Roman erst gelernt.

00:09:33: Das war mir alles gar nicht so klar.

00:09:34: Ja,

00:09:35: ja.

00:09:35: Historisch total interessant.

00:09:37: Wir haben noch eine andere Frage von Sabine aus Karlsruhe.

00:09:41: Sabine aus Karlsruhe, ich melde mich wegen des Romans, fragt das Feuer weiter und habe die Frage, nachdem Stimani's Roman ein Familienroman

00:09:52: ist, inwiefern unterscheidet das

00:09:54: sich von anderen Familienromanen der Literaturgeschichte?

00:09:58: Ich würde mich freuen, wenn Sie diese Frage beantworten würden.

00:10:02: Vielen Dank.

00:10:03: Es ist ein Familienroman, das stimmt.

00:10:06: ist auch wichtig.

00:10:07: Es geht die ganze Zeit um diese Familie.

00:10:09: David, was würdest du sagen?

00:10:10: Was macht diesen Romanen besonders?

00:10:12: Was unterscheidet ihn von anderen Familienromaden der Literaturgeschichte?

00:10:17: Ja, das ist ganz interessant.

00:10:19: Ich habe da länger drüber nachgedacht über die Frage dieser Zuhörerin, weil man natürlich jetzt erwarten könnte, eine marokkanischstämmige Autorin, die schreibt jetzt womöglich ein orientalisch ausgemaltes Familienfresco, mit Lautergier landen und wie man sich das so tausend und einen acht vorstellt.

00:10:40: Und das macht sie ja gerade nicht.

00:10:42: Also das finde ich schon mal ein erster Moment, wo sie eine Erwartung wieder unterläuft.

00:10:49: Sie schreibt klar präzise, könnte fast sagen, kalt.

00:10:54: Sie hat ja auch keine Heldenfiguren, auch ihre Frauen, die ganz klar im Fokus stehen.

00:11:00: Eigentlich sind das hier die Frauen.

00:11:02: die diese Geschichten tragen.

00:11:03: Sie spricht einmal von einem Bild ganz am Ende der fünfköpfigen Hydra.

00:11:09: Das hier ganz wichtig ist, und das sind fünf Frauen aus dieser Familie, die hier genannt werden.

00:11:14: Aber auch diese Frauen haben Schwächen, haben Fehler, haben dunkle Abgründe.

00:11:19: Also das ist das, was bei ihr immer so wichtig ist, und das macht sie auf eine ganz einzigartige Weise, finde ich, und unterscheidet sich deswegen, zum Beispiel von einem Jonathan Frenzen.

00:11:29: Also die Korrekturen, große Familienromaden vielleicht aus dem neuen Jahrtausend, zwei Tausend Eins geschrieben.

00:11:37: Und der hat als Überschreibung von Thomas Manns Buddenbroog so eine ironische Lesart der amerikanischen Familie des mittleren Westen geschrieben.

00:11:46: Das macht Leila Slimani nicht.

00:11:48: Also da sind Welten dazwischen.

00:11:49: Auf der anderen Seite könnte man ja auch einen Marquez denken, hundert Jahre Einsamkeit, magischer Realismus.

00:11:56: Also wo das Unheimliche, das Surreale sozusagen eingearbeitet ist, macht sie aber auch nicht.

00:12:03: Also sie hat, finde ich, einen ganz eigenen Ton.

00:12:07: der vor allem von Klarheit, von Konstellation und von einem ... so zu Krannen eigentlich geprägt

00:12:15: ist.

00:12:15: Und sie arbeitet, das finde ich interessant, sehr viel mit Brüchen.

00:12:18: Also es gibt dann, es ist nicht eigentlich keine richtigen Kapitel, sondern große lange Teile.

00:12:23: Und dann gibt es immer wieder Absätze.

00:12:25: Und dann setzt sie wieder erzählerisch mit einer anderen Figur ein.

00:12:30: Aber man hat gar nicht den unmittelbaren Zusammenhang.

00:12:33: Also man ist es auch so ein bisschen erratisch.

00:12:35: Am Ende geht, alles fügt sich alles zusammen.

00:12:37: Und sie springt auch von einer Figur zu anderen.

00:12:39: Aber es ist immer wieder so abrupt.

00:12:42: immer so ein bisschen, mir kam so vor wie so eine Bremsung und dann setzt sie nochmal neu an oder richtet den Blick auf eine andere Figur oder einen anderen Ort und sind wie so immer neue Ansätze etwas zu finden, was sich dann als Puzzle schon irgendwie zusammenfügt, aber es leuchtet nicht.

00:12:59: auf der Stelle ein, eigentlich.

00:13:01: Total guter Hinweis, also dieser Wechsel der Erzählperspektive auktorial, dann ist es mal eine Ich-Erzählung, dann ist es mal ein Brief.

00:13:09: Das ist was ganz anderes als Elena Farante.

00:13:11: Sie wurde ja gelegentlich mit Elena Farantes näher.

00:13:13: Hab ich nicht verstanden,

00:13:14: oder?

00:13:15: Nein,

00:13:16: es hat eigentlich damit gar nichts zu tun.

00:13:18: Das ist eine klassische Ich-Erzählerin, wo eine Figur alles aus sich selbst heraus imaginiert und dieses Neapel quasi wieder auferstehen lässt.

00:13:28: Und diese Brüche, von denen du sprichst, finde ich auch der deutlichste Hinweis, dass das was ganz anderes ist.

00:13:41: als Autorin selbst miterlebt hat.

00:13:43: Also deshalb natürlich auch sehr viel mehr autobiografische Anleihen, kann man sich vorstellen.

00:13:50: Und es geht aber am Anfang dieses Platz um Medi.

00:13:54: Medi, der Hut, kennen wir schon, ist der Vater von Mia.

00:13:59: Und in mich hat diese Figur das Medi, um die du sagst, es geht um Frauen, vor allem das Stimmen.

00:14:05: Auch mit dieser Hydra, finde ich, ein tollen Hinweis.

00:14:07: Aber dieser Medi steht irgendwie unter der Verlust.

00:14:10: Das Medi steht eigentlich für mich auch im Zentrum, vielleicht wie so ein Leereszentrum in diesem Roman, ganz am Anfang, wo sie zum Arzt geht.

00:14:19: Also sie kommt ja zu diesem Neurologen, der ihr sagt, finden sie ihre Erinnerung.

00:14:23: Aber davor ist sie noch bei einem anderen Arzt, wo sie sofort wieder geht, als der kurz draußen ist.

00:14:28: Und der fragt, irgendwas, ja, haben sie in letzter Zeit einen Verlust erlebt.

00:14:33: Und da deutet sich schon an.

00:14:35: dass die Erzählerin ihren Vater verloren hat.

00:14:37: Das nimmt man da schon ein bisschen mit.

00:14:39: Und das erfährt man dann aber erst später.

00:14:42: Medi ist der Vater und zu ihm hat Mia, die Tochter, eine ganz besondere Beziehung.

00:14:48: Wie würdest du die beschreiben?

00:14:51: Ja, das ist tatsächlich eine Schlüsselfigur.

00:14:53: Und du hast vollkommen recht, mich da zu korrigieren, dass es ein Romal ist.

00:14:56: Ich bin nicht

00:14:57: als Korrektur.

00:14:58: Ich glaube, die Frauen, das sehe ich auch so.

00:15:00: Die Frauen sind die, die dann weiterleben.

00:15:03: Aber Medi um Medi drehen sich erst

00:15:05: mal alle.

00:15:06: Alle reden auch von

00:15:07: Medi.

00:15:07: Um Medi herum, sozusagen, zentriert sich das alles.

00:15:10: Und er ist gleichzeitig so was wie das dunkle Zentrum.

00:15:12: Und wir hatten ja ein großartiges Interview von Annabelle Hirsch in der Sonntagszeitung mit ... Leila Slimani und hat sie ja auch gesagt, die Kränkung und der Tod ihres eigenen Vaters, weil das ist ja, Medi ist ja die Geschichte ihres Vaters, die sich hier aufarbeitet, war sozusagen eigentlich der Grund, dass sie Schriftstellerin geworden ist, weil sie wollte sozusagen Gerechtigkeit für ihren Vater.

00:15:38: Und sie hat an diesen Stellen am meisten herumlaviert.

00:15:42: Also das ist ihr am schwersten gefallen.

00:15:44: Und deswegen hat er vielleicht auch so eine ... spielt er so eine besondere Rolle, weil er ist, er kommt ja schon in Band zwei vor, der heißt ja immer noch Karl Marx, also ein junger, wahnsinnig begabter Wirtschaftsstudent, der sich eben in die Ärztin Eicher verliebt.

00:16:01: Die beiden sind die Eltern im dritten Band, die Eltern der beiden Töchter Mia und Ines.

00:16:10: Und während Eicher als Ärztin, also eine sehr moderne ... Frau eigentlich verkörpert, die aufgerissen ist zwischen Beruf und Familie, die Kinder erzielt.

00:16:22: Gleichzeitig im Krankenhaus, da ihren Mann steht, ist Medi eben jemand, der ... ja, der steht quasi für Aufbruch, der steht für die äußere Welt, der steht dafür, dass dieses Land Marokko ein besseres Land werden könnte, wenn man sich nur genug ins Zeug legt.

00:16:41: Und deswegen ... Baut er eine sehr marode Bank, eigentlich mehr oder weniger ein Eigenregie, wieder auf und ist so etwas wie ein Vorbild nicht nur für seine beiden Töchter, sondern eben auch für seine Mitarbeiter in der Bank.

00:16:55: Absolut.

00:16:55: Also er hat irgendwie viel Respekt, der ihm entgegenkommt.

00:16:59: Er ist Direktor des Kredi-Kommerzials du Marok und ... Es gibt eine sehr schöne Szene, wo Mia mit ihrem Vater nach Casablanca fährt und er sie mit in die Bank nimmt.

00:17:11: Sie ist da noch relativ klein und sie ist völlig fasziniert, weil sie dort diese Welt mit ... bekommt, auch natürlich arabisch sprechen, die sprechen zu Hause französisch, Mitarbeiter.

00:17:23: Und sie sieht ihren Vater mit diesem Geld handieren und kommt dann zurück und erzählt ihrer Schwester Ines, Papa ist der Herr des Geldes.

00:17:31: Ich habe ihn gesehen und sie hat ihm mit diesem Geld gesehen, was sie ja dann später auch anreizt, sich so ein Job in einer Bank, sie ist ja ärgerlich zu verschaffen und erst mal Geld verdienen zu wollen.

00:17:44: Und er ist ein Vorbild auch für, wie du schon für diese beiden Töchter.

00:17:49: Und gleichzeitig hatte ich aber auch ganz große Defizite.

00:17:54: Ein Thema ist ja sozusagen die Herkunft und die Verbindung mit der... Mit der eigenen Kultur.

00:18:01: Und Medi hat es eben nicht geschafft.

00:18:03: Die sind ein laizistischer.

00:18:05: Das Elternhaus muss man erwähnen.

00:18:07: Aber er hat seinen Töchtern die arabische Kultur, die marokkanische Kultur nicht näher gebracht, ihnen die Sprache nicht beigebracht.

00:18:14: Weshalb die beiden Töchter, wenn sie erwachsen sind, sich auf eine merkwürdige Weise unverbunden und unverwurzelt fühlen.

00:18:22: Das ist ganz interessant, dass so ein Land wie Marokko, dass sich quasi einerseits von dem ... Von der Kolonialmacht Frankreich emanzipiert hat und befreit hat, aber andererseits so an dieser Kultur festhält, dass die Oberschicht, zu der diese Familie ja gehört, nicht mehr sozusagen den Zugang zu der eigenen Kultur aufrecht erhält.

00:18:44: Das stimmt.

00:18:45: Und was auch dafür spricht, also was ja Mia und ihren Vater verbindet, ist ja die Literatur.

00:18:51: Er möchte eigentlich auch, er prognostiziert eigentlich auch, dass sie ... Schriftstellerin werden wird.

00:18:57: und die Bücher, die er ihr zu lesen gibt, das sind ja auch keine arabischen Bücher, sondern er gibt ihr eigentlich französische Bücher.

00:19:07: Flaubert, L'Éducation Sontimental oder der Husar auf dem Dach oder, gut, Kundera.

00:19:14: Also es ist eigentlich zum großen Teil auch französische Literatur und die sprechen, die beiden sprechen auch in Büchern.

00:19:21: Also die teilen beide in dieser Familie diese Liebe zur Literatur.

00:19:26: Das ist überhaupt ganz interessant, wie die Literatur in dieser Familie so Teil des Lebens ist.

00:19:32: Also es alle schreiben irgendwie insgeheim, aber niemand ist quasi Autor.

00:19:39: mit einem Werk.

00:19:40: Aber das Schreiben ist für alle ein wichtiges Verarbeitungsinstrument.

00:19:46: Ich denke auch, dass es so ein Verbindenelement ist, jenseits dieser Kulturen, zu denen Sie gehören, obwohl ich gut finde, dass es keine Verkitschung dabei gibt.

00:19:56: Das ist jetzt nicht so die Idylle der Literatur, die universelle Sprache darstellt.

00:20:01: Das würde jetzt auch nicht zu Layla's Limanie passen,

00:20:04: eigentlich.

00:20:06: Auf jeden Fall ist Medi, das würde ich noch mal sagen, ist mir, glaub ich, wichtig, dass der so eine Art Chania-Figur ist zwischen Innenwelt und Außenwelt, während Eicher sozusagen die Konflikte, die es in dieser Familie gibt, also Eicher, die Mutter, diese Konflikte sozusagen auflöst, ist eher eigentlich jemand, an dem die Konflikte größer werden.

00:20:32: Bis hin ... dass sein eigener Konflikt, den er sozusagen in diese Familie trägt, nämlich dass er von einem Tag auf den anderen seinen Job los wird und zu Hause sitzt und jahrelang wartet darauf, dass ein Gerichtsprozess stattfinden wird, der ihn entweder schuldig oder unschuldig sprechen wird, von einem Tag auf den anderen quasi nicht nur die Haupteinnahmequelle dieser Familie wegfällt, sondern auch eher sozusagen als Kraftzentrum wegfällt, weil er ... eigentlich von einem Tag auf den anderen, nachdem ihm die äußere Anerkennung entzogen wird, mutmaßlich vom Königshaus, hat er auch selbst sich aufgegeben.

00:21:17: Und das kann man, glaube ich, schon verraten, weil es ja auch so parallel ist zu Leila Slimani's Familiengeschichte, der dann ins Gefängnis kommt und eben ... zu Unrecht ins Gefängnis kommt und so, dass dann die Mutter im Grunde genommen ins Zentrum rückt und mit ihr dann eben auch die Frauen oder die Töchter.

00:21:36: Also da ist dann wieder die Hydra da, von der du gesprochen hast.

00:21:40: Die andere Figur, die in Slemanis Roman eine große Rolle spielt, ist die jüngere Schwester Ines.

00:21:46: Das ist keine einfache Beziehung, sondern eine, die durch Konkurrenz geprägt ist und auch durch Grausamkeiten.

00:21:53: Das fängt schon bei Ines Geburt an.

00:21:56: Und hierzu haben wir auch eine Sprachnachricht bekommen von einer Leserin von Aline aus Hildesheim.

00:22:04: Hallo, ich bin Alina und ich studiere an der Universität Hildesheim.

00:22:08: Und eine Frage ist, weil ja am Anfang von Traktorsfeuer weiter mir ihre kleine Schwester, die gerade neu geboren ist, am liebsten umbringen will, ob das so typisch Wille Lassimani ist, weil das lässt sich ja schon sehr krass.

00:22:23: Was passiert da genau in dieser Szene?

00:22:26: Na ja, mir ist die sechs Jahre ältere Schwester von Ines.

00:22:32: Das heißt, sie ist deutlich älter und das ist quasi die nazistische Kränkung, die hier ... verkörpert wird oder die Leilas Limani beschreibt, in dem Mia Ines eigentlich umbringen möchte.

00:22:46: Also sie in ihrem kleinen Babybettchen legt sie so viele Kissen und Decken über den Säugling in der insgeheimen Hoffnung, dass Ines erstickt.

00:22:57: Und die Mutter Eicher kann sie nur in letzter Sekunde.

00:23:01: eigentlich vor dem Ersticken retten.

00:23:03: Und das ist diese frühkindliche, nazistische Phase, in der Mia sich befindet, die eben tatsächlich so weit geht, dass sie töten würde.

00:23:14: Und das kennen wir ja nun aus dem großen, berühmten, mit dem Prigankur ausgezeichneten Romance auf Sondu, auf Deutsch.

00:23:23: Dann schlaf auch du.

00:23:24: Ganz genau, dann schlaf auch du.

00:23:27: dass er die Albtraumgeschichte wahrwerden lässt.

00:23:30: Jeder Mutter oder aller Eltern, das nämlich ein Kindermädchen.

00:23:35: die Kinder, die ihr in Obhut anvertraut wurden, ohne Grund umbringt?

00:23:40: Ich weiß noch, als das erschienen ist, habe ich gerade eine Tochter bekommen.

00:23:45: Und ich weiß noch, dass ich das nicht lesen wollte.

00:23:47: Ich habe gehört von diesem Plot und dachte, das will ich auf keinen Fall lesen.

00:23:50: Ich habe es dann später getan.

00:23:52: Aber man will, dass es genauso, man ist der Albtraum, den man eigentlich nicht wahrhaben muss.

00:23:57: Den Plot hat sie ja gefunden in der Zeitung, im Jahr zwölf.

00:24:01: Das war eine echte Geschichte, erstarb einen.

00:24:04: Nanny in der Upper Eastside, die beiden Kinder, auf die sie aufpasste und zwar ohne Motiv und ohne Grund und die hatte, glaube ich, Geldprobleme und fühlte sich in einer Sackkasse gedrängt.

00:24:16: und Slimanie erinnerte die Meldung an den Schriftsteller Emmanuel Carrère, an seinen Umar Amok.

00:24:25: in dem ein Mann eines Tages seine ganze Familie niedermetzelt.

00:24:29: Nur, dass Slimani ihre eigene Perspektive fand als Frau, Ehefrau, Mutter, Schriftstellerin und erzählt diese Kindsmords-Geschichte eigentlich eher als Klassenfrage und knüpft dann auch an so verschiedene Nennige-Geschichten an, die es in der Literatur-Geschichte gibt.

00:24:45: Aber das hast du ja vorhin schon gesagt, das Wichtige eigentlich darin.

00:24:48: und deshalb die Frage ist, ist das typisch, diese krasse Geschichte typisch für Leila Slimani?

00:24:53: Ja, unbedingt.

00:24:54: Denn auch jetzt hier in diesem Roman Traktorsfeuer weiter ist mir keine Heldin.

00:25:00: Eigentlich, sie ist auch keine Anti-Heldin, finde ich, wie jetzt in diesem Nenny-Roman.

00:25:04: Aber es sind keine, sie erzählt keine, sie sucht keine ... Tollen Frauen, Vorbildsfrauen, sondern sie sucht eigentlich immer gebrochene Charaktere Frauen, die auch böse sein können, die auch schwach sein können und feige.

00:25:22: Das interessiert sie, glaub ich.

00:25:24: Ja, und bei Dein Schlaf auch du ist ja der besondere Twist.

00:25:29: Das spricht eben auch für die Autorin, dass sie das ja insofern gedreht hat, dass dieses bürgerliche Paar in Paris, dessen Kindern dann eben emirantet werden von der Nanny, Die haben einen migrantischen Hintergrund, zumindest die Mutter und die Hausangestellte.

00:25:47: Die natürlich.

00:25:47: normalerweise wäre die Erwartung in einer Pariser Familie umgekehrt.

00:25:51: Dass die Hausangestellte migrantisch ist.

00:25:53: Und das bürgerliche Paar eben Französisch.

00:25:56: Und hier ist es umgekehrt.

00:25:58: Und die etwas ältere Nanny ist eben so eine Vertreterin der Geldwesten.

00:26:03: Also dieses abgehängte ländliche Frankreich, das es eben auch gibt.

00:26:09: Das ist ja so eine Bevölkerungsgruppe, über die wir ... Seit einigen Jahren viel sprechen, gibt es auch in Deutschland, auch in Amerika, mit den erratischen Wahlverhalten an den Tag legen und an merkwürdigen Verschwörungstheorien festhalten.

00:26:25: Und Leila Salmanie hat diesen französischen, übersehenden, abgehängten Menschen eigentlich hier so ein Denkmal gesagt, sodass sie, sozusagen, porträtiert.

00:26:37: Mir ist, wie du sagst, sie ist keine Heldin.

00:26:41: Sie ist ein eifersüchtiges Kind, dass ihrer kleinen Schwester nichts.

00:26:49: nicht zugestehen möchte.

00:26:51: Und das tut einem als Mutter fast weh, das zu lesen, wie die kleine Ines ihre Schwester immer wieder raushaut.

00:27:00: Ines lügt für ihre ältere Schwester.

00:27:03: Sie verteidigt sie, wo sie nur kann.

00:27:05: Ja, sie rechts, sie liebt sie einfach über alles.

00:27:07: Das ist irgendwie tatsächlich auch sehr, sehr schön geschildert.

00:27:11: völlig bedingungslose Liebe, trotz der auch späteren Grausamkeiten über wirklich fiese Dokterspiele bis auch dahin, dass sie dann beide ja nach Paris ziehen, also beide gehen erst mir und dann Ines, verlassen Marokko und gehen nach Paris.

00:27:26: Und Mia liebt Frauen und hasst es, wenn im Nebenzimmer die wunderschöne Ines Liebhaber empfängt, was sie irgendwann auch raustreibt und dann nochmal nach London gehen lässt.

00:27:39: Es ist eigentlich immer so ein Weg gemeinsam und ein Weg der Trennung, aber offenbar eine gleichzeitig unzertrennliche, schwesterliche Beziehung.

00:27:48: Genau.

00:27:49: Und die Sexualität, die du eben angesprochen hast, ist ganz zentral für beide.

00:27:53: Beide haben eine riskante Sexualität.

00:27:56: Mir natürlich als lesbische Frau in Marokko kann sie das nicht offen leben, sondern findet eigentlich erst zu ihrer Sexualität in Frankreich.

00:28:06: Und Inés, die also eine überbordene Sexualität hat, die sozusagen vernascht, was ihr sozusagen über den Weg läuft, also eine sehr selbstbewusste Frau ist.

00:28:18: damit aber auch zu kämpfen hat.

00:28:20: Und

00:28:20: sich auch in Gefahr begibt.

00:28:23: Geht die Beziehung zu einem Lehrer ein.

00:28:26: Beide sind so riskante Charaktere, die immer an der Grenze sind.

00:28:32: Da hat man das Gefühl.

00:28:34: Beide haben diese Frage dazugehören oder nicht, die hier nicht nur kulturell, sondern auch in Gruppen immer wieder gestellt wird.

00:28:47: Der Roman gefallen.

00:28:49: Was machtest du besonders an diesem

00:28:51: Roman?

00:28:53: Mir hat das sehr beeindruckt, muss ich sagen.

00:28:57: Wie ich es eingangs schon mal erwähnte, dass hier die Geschichte eines Landes, über das ich zugegeben habe, nicht sehr viel weiß.

00:29:06: erzählt wird die Geschichte eines Landes, erzählt wird und die Geschichte einer Familie.

00:29:10: Und beides sozusagen ineinander greift die Freiheitsbewegungen von Individuen, von Familien, von einem Land.

00:29:19: Und das aber eben doch sehr plastisch gemacht wird.

00:29:23: Also ich habe ein seltenes Gefühl gehabt, nein, ich habe eigentlich nie das Gefühl gehabt, das irgendwie mit Stereotypen oder so zu tun gehabt zu haben.

00:29:32: Sie schafft das, dass was sie auch an Fakten und an Zeitgeschichte rüberbringen will, doch literarisch zu erzählen.

00:29:41: Das war nicht eigentlich ganz überzeugend.

00:29:45: Ich finde auch so beeindruckend diese Sprache alleine.

00:29:48: Denn es ist so, es liest sich so einfach.

00:29:51: Also zumindest hatte ich das Gefühl, man geht in diesen Kosmos rein und liest es ... ohne Mühe.

00:29:58: Und gleichzeitig ist es so komplex.

00:30:00: Also diesen Effekt herzustellen, ist ja unglaublich kunstvoll.

00:30:04: Und auch diese verschlungenen biografischen Fade dieser verschiedenen Figuren, sie führt einen da so elegant durch.

00:30:12: Das ist tatsächlich, ich weiß gar nicht, was diesen Stil vielleicht sogar die Einfachheit so besonders macht.

00:30:18: Also es, wie du schon sagst, ist beinah kühl, schnörkellos, aber überhaupt nicht orientalisch.

00:30:25: Aber Der ist auch nicht trocken.

00:30:27: Es gibt dann eben wieder auch sehr, sehr anrührende Szenen.

00:30:30: Das stimmt, das stimmt.

00:30:32: Und ich glaube, für die Franzosen bedeutet das auch noch mal was anderes als für uns.

00:30:37: Wir lesen das natürlich mit so einem, mit so einer intrinsischen Interesse, aber Frankreich hat ja bekanntermaßen seine Kolonialgeschichte lange, lange Zeit überhaupt nicht aufgearbeitet.

00:30:47: Das fing erst vor zehn, fünfzehn Jahren an mit tatsächlich Literaten.

00:30:52: die die Geschichte von Algerien und Marokko und anderen französischen Kolonialländern aufgearbeitet haben.

00:30:59: Aber in Frankreich gibt es nicht in der Art von nie wieder oder wir müssen uns der Geschichte stellen, wie das in Deutschland der Fall ist.

00:31:08: Von daher glaube ich, dass die Franzosen das nochmal mit einem ganzen anderen Interesse erzählen.

00:31:13: als die Kolonialländer aufgelöst wurden, in den Fünfzigerjahren.

00:31:18: Irgendwann in den Fünfzig, glaube ich, wurde es dann in Königreich, kam ja Millionen Menschen, also auch Franzosen, die dort in der Verwaltung gearbeitet haben, kam ja dann alle nach Frankreich zurück.

00:31:29: Und das war wiederum für die französische Gesellschaft eine totale Umstellung, sich quasi mit Zugereisten, die nie in Frankreich gelebt haben, quasi zusammenzuleben.

00:31:40: Und davon handelt ja auch dieses ... diese Studentenzeit von Mia und Ines in Paris.

00:31:49: Man weiß nicht so genau, was sie eigentlich sind, wer sie sind, wie sie sich unterscheiden.

00:31:53: Sie werden dreimal am Tag gefragt, woher kommst du, woher kommst du.

00:31:56: Das ist ganz interessant, das heute

00:31:58: auch zu wissen.

00:31:59: Oder auch die WM, die spielt ja eine große Rolle.

00:32:02: Fußball WM ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das, ist das.

00:32:30: Es spielt in dieser Erzählung zwischen den Kulturen eine große Rolle.

00:32:35: Absolut,

00:32:36: diese WM und dieser Sieg der WM und der bunten französischen Mannschaft bei der Höhepunkt der multikulturellen Gesellschaft in Frankreich.

00:32:44: Eigentlich ist es ein Trauerbuch, weil diese Zeit ist ja vorbei.

00:32:50: Wir erleben noch in dem Roman ... Den Angriff auf die Türme in New York, die Bataclan-Terror-Angriffe in Paris.

00:33:02: Und sie sagt dieses Jahr, dass uns alle eigentlich verbunden hat und zu Brüdern und Schwestern gemacht hat, im Sieg dieser bunten französischen Nationalmannschaft.

00:33:12: Davon seien wir heute weit entfernt.

00:33:15: Ich weiß nicht, wie dir das geht.

00:33:17: Ich habe mehrere Interviews mit Leila Slimani gelesen, wo sie eigentlich ja immer wieder diese Sache sagt, dass sie sich von der Vorstellung verabschiedet habe, einen Ort zu finden, an dem sie sich zu Hause fühlt, an dem sie wirklich dazugehört und dass sie habe einsehen müssen, dass sie nie wirklich Französin sein werde, aber auch nie ganz Marokkanerin.

00:33:38: Also dieses dazwischen, wenn sie sagt, ich bin beides, dann habe ich beide Identitäten und die Leute aber sagen, du bist keine richtige ... du bist keine echte Französin.

00:33:49: Und ich, dadurch, dass sie es auch immer wieder sagt, habe ich es fast ein bisschen als plakativ empfunden und dachte beim Lesen, natürlich kann man, ist das ein Motiv des Romans, also man kann es auch so reflektieren und es ist... auch einfach das, was sie empfindet und wie sie sich positioniert.

00:34:09: Aber der Roman braucht das eigentlich nicht.

00:34:14: Man braucht es eigentlich nicht immer wieder betonen, weil der Roman erzählt ja genau von dieser Zwischenwelt.

00:34:20: Ich finde, wenn man es immer wieder betont, wirkt es fast klischeehafter, als es im Roman rüberkommt, was nicht wie dir das geht.

00:34:26: Ja, das ist interessant.

00:34:29: Das würde ich auch sagen.

00:34:30: Der Roman ist eben nicht so plakativ wie diese Aussage.

00:34:35: Es gibt auch so viel so migrantische Literatur.

00:34:38: Und das ist dann immer das Thema.

00:34:39: Man ist nicht hier und man ist nicht Nord.

00:34:40: Man ist dazwischen.

00:34:42: Und das versteht man natürlich.

00:34:44: Aber es ist ja immer wieder anders erzählt.

00:34:47: Und hier ist es tatsächlich so manchmal schlichter, manchmal komplexer.

00:34:52: Und hier ist es wirklich so komplex erzählt, indem ... dieses ganze Marokko erzählt wird und über diese ganze Herkunft erzählt wird und das natürlich aber auch mit diesen Reisen nach Paris oder London mit Europa verflochten wird, dass ich finde, wenn man es so benennt, Banale klingt als die Erzählung selbst.

00:35:13: Ja, da würde ich dir absolut recht geben.

00:35:15: Diese Zerrissenheit, die sie offenbar als so schmerzhaft empfindet, wie sie das in den Interviews immer formuliert, hat trotzdem nicht so in einen Thesen-Roman geführt, sondern sie hat eine Romanwelt geschaffen, die aus eigenem Recht eigentlich existiert.

00:35:33: Und diese Figuren sind jetzt nicht ... Migranten oder Franzosen in Marokko oder so, sondern das sind alles dreidimensionale Menschen, in die wir uns hineinversetzen können, die gute Anteile haben und böse Anteile.

00:35:49: Also es sind im wahrsten Sinne komplexe Figuren.

00:35:52: Und das ist ja immer mehr als so eine Sprechblase.

00:35:56: Find ich ganz genau, also das ist es eigentlich.

00:35:59: Das ist kein Thesen-Roman.

00:36:00: Das ist ein sehr intellektueller Roman.

00:36:04: aber überhaupt nicht auf der ersten Ebene.

00:36:07: Also es kommt unglaublich viel kulturelles Leben auch vor oder Literatur, eben durch die, durch die Lektüre, die der Vater ihr gibt.

00:36:14: Aber eigentlich ist es nicht, der, der Roman hat kein politisches Programm.

00:36:20: Es ist gar keine engagierte Literatur oder es ist in dem Sinne kein politischer Roman.

00:36:25: Und trotzdem ist er politisch ungeheuer komplex und hat natürlich auch seine, seine Mission, aber in der Erzählung, also überhaupt nicht auf so einer zweiten Ebene.

00:36:37: Interessant in dem Zusammenhang auch, dass sie ja in Interviews häufiger gesagt hat, der Roman sei ihre Rache.

00:36:44: Sie wollte ja ihren Vater rächen.

00:36:47: Die Geschichte ihres Vaters ist überhaupt der Impuls für sie gewesen, Schriftstellerin zu werden.

00:36:53: ihn Post hum, ihm Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.

00:36:56: Und wenn man jetzt aber überlegt, dass dieser ganze Roman aus dem Impuls einer Rache geschrieben ist, ohne jetzt viel zu spoilern, wenn ich nur mal in dir den letzten Satz vorlesen darf, es bringt nichts unschuldig zu sein, wenn man tot ist.

00:37:13: Unschuld existiert nur in den Büchern.

00:37:16: Also so weit zur Rache, also sie hebt sie eigentlich selbst auf oder sagt, sie kann eigentlich nie gestillt werden.

00:37:25: Ich glaube, es ist diese tolle Tante, die auch von der Rache spricht und auch so als Motor.

00:37:30: Also das ist tatsächlich die ganze Zeit.

00:37:32: Eigentlich treibt das bis auf die Schwester, die kennt das gar nicht, dieses Gefühl, glaube ich, der Rache.

00:37:36: Das treibt mir an.

00:37:38: Ich glaube, diese Tante auch.

00:37:39: Darin sind sie sich ähnlich.

00:37:41: Es geht darin, Aber nicht, also nicht mehr recht sich an irgendjemanden aus der Familie, sondern sie recht eigentlich das Unrecht, das dem Vater geschehen ist in dieser marokkanischen Gesellschaft.

00:37:56: und durch dieses Fehlurteil oder durch diese falschen Vorwürfe, also man hat den ja offenbar verunglünft oder denunziert für etwas, was er gar nicht getan hat, weshalb er dann eben seinen Job verloren hat.

00:38:09: Und eigentlich möchte sie die Geschichte sein.

00:38:13: Geschichte neu schreiben.

00:38:15: Sie möchte ihn ins Recht setzen, ohne sie dabei zu verfälschen, sondern klar zu machen, wie Medi in diesem Fall die Figur wirklich ... ist oder war.

00:38:26: Und tatsächlich ging mir das so, diese Medifigur hat mich unglaublich angerührt.

00:38:32: Also dieser wartende Mann, der dann irgendwie eines abends nach Hause kommt und keinen Job mehr hat und seine Funktionen verloren hat.

00:38:39: Und ich glaube, es heißt an einer Stelle auch mal, er war ein wartender Mensch oder ein wartender Mann und er bleibt, er weiß eigentlich gar nicht mehr, was er tun soll.

00:38:49: Und er wartet dann immer darauf, dass seine Frau, die ja als Gynäkologin arbeitet, in der im Krankenhaus nach Hause kommt und hört dann, wie sie den Flur entlang kommt, dann erst zu der Schwester geht oder erst die Einkäufe nach Hause bringt, bevor sie zu ihm geht.

00:39:05: Also erst nicht mehr Nummer eins.

00:39:08: Und das hat mich schon wahnsinnig angerührt.

00:39:10: oder auch diese Szene.

00:39:12: Weiß nicht, ob du dich erinnerst, wo Aisha ihn im Gefängnis besucht und denkt, sie müsste ihm alle Speisen kochen, die er gerne mag und dann mit so einem riesigen Kopf vom Gefängnis und sie merkt die Unangemessenheit dieser Geste und schämt sich fast.

00:39:36: Das muss sich dann auch erniedrigen lassen von der Gefängniswärterin.

00:39:41: Und fand das sehr, sehr anrührend, wie diese Szenen beschrieben waren.

00:39:45: Absolut.

00:39:46: Da war sie ja auch nicht dabei.

00:39:48: Also, wenn es diese Szenen gegeben hat und das autobiografisch angelehnt ist, dann war sie ja auch nicht dabei.

00:39:53: Hat sie sich ja erzählen lassen von ihrer Mutter oder den anderen Familienmitgliedern und finde, das ist sehr, sehr menschlich.

00:40:03: Dazu fällt mir nur ein, er hat ja eben... auch einen Autor in sich stecken gehabt und ab und zu geschrieben.

00:40:11: Und so hat er sich ja auch in den zehn Jahren, in denen er auf seinen Prozess wartet, ausgemalt, was das alles für ein großartiger Prozess werden könnte und die Anwälte und er würden ihn verteidigen und er würde sozusagen von den Toten auferstehen und dann ein, sozusagen, rehabilitiert werden.

00:40:28: Und das man fast ... Ich will jetzt nicht zu viel verraten, wie es dann ausgeht.

00:40:33: Aber man kann zumindest die These in den Raum stellen.

00:40:36: Zu viel Fiktion im Kopf kann einen auch ganz schön wuschig machen.

00:40:41: Oder man hat eine Tochter, die so viel Fiktion mitbringt, dass sie zumindest das Denkmal setzen kann, dass man sich immer erträumt hat.

00:40:50: Ja,

00:40:51: aber Julia, da ist jetzt die Frage.

00:40:53: Jetzt hat sie sich dieses große Projekt vorgenommen.

00:40:56: Wir haben schon gesagt, zwölfhundert Seiten, drei Bände, fast zehn Jahre hat sie daran geschrieben.

00:41:02: Was kommt denn jetzt als Nächstes?

00:41:04: Ja, also die Trilogie ist ja abgeschlossen.

00:41:07: Obwohl ... Was ihr eben meint ist, dass die politische Lage hat sich so verändert, dass man natürlich auch Europa hat sich so verändert und postkolonialistische Perspektive ist auch jetzt eine andere.

00:41:19: Also wäre es natürlich, man ist schon so drin, könnte man sich vorstellen, dass man es auch weitererzählt.

00:41:24: Aber ich weiß nicht, könnte mir vorstellen, dass ihr was ganz anderes erzählt jetzt.

00:41:28: Aber habt keine Ahnung, was das sein könnte.

00:41:31: Man muss aber sagen, dass sie ja nicht autobiografisch angefangen hat.

00:41:35: Gerade dieses Drumschlaf auch du.

00:41:38: ist ja gar nicht, es geht eben auf so eine Zeitungsnotiz zurück.

00:41:43: Also es ist ja eigentlich nicht das, was ihre Literatur von Anfang an geprägt hat.

00:41:48: Was könntest du dir vorstellen, was sie jetzt in Angriff nimmt?

00:41:51: Ja,

00:41:51: ich werde auf jeden Fall auch sehr gespannt sein, nachdem ich gelesen habe, dass sie nach Portugal ausgewandert ist mit ihrer Familie.

00:41:59: Fand ich das auch interessant im Zusammenhang mit Zerrissenheit.

00:42:02: und wo gehöre ich eigentlich hin?

00:42:04: Sie hat sich jetzt einen dritten Ort gesucht.

00:42:06: Wer weiß, vielleicht erzählt sie uns eine Lisbonngeschichte.

00:42:10: Also ich glaube, sie ist tatsächlich noch viel mit Frankreich verknüpft.

00:42:14: Sie hat ja auch ... Ich glaube, Macron hat sie sogar mal gefragt, ob sie Kulturministerin werden will.

00:42:20: Und sie hat ja auch bei den Olympischen Spielen in Paris, hat sie ja auch in dem Team gearbeitet, die die Choreografie für diese Abschlussfeier entworfen haben, die ja übrigens sehr toll war.

00:42:30: Also, ich glaube, sie ist wirklich schon noch vielen Frankreich.

00:42:33: Aber ja, das wäre natürlich interessant.

00:42:35: Ein Roman, der in Lissabon spielt, wer weiß.

00:42:40: Wer weiß, genau.

00:42:41: Auf jeden Fall, wir können diesen Roman und die ganze Trilogie und überhaupt das ganze Werk von Laila Slimani, glaube ich, guten Gewissens empfehlen.

00:42:51: Absolut, wir haben noch eine Sprachnachricht von Konstantin, der uns folgendes fragt.

00:42:57: Am Ende vom Buch findet Mia ja, das war das Kripp von ihrem Vater und deswegen

00:43:02: interessiert mich, ob ihr

00:43:02: Vater tentiell auch Schriftsteller werden wollte und ob sie noch

00:43:07: einen tieferen, unerklärten Hintergrund gibt.

00:43:09: Das verraten wir jetzt einfach nicht, weil wir können nicht das Ende verraten.

00:43:15: Deshalb, Konstantin, du musst leider den Roman lesen.

00:43:19: Aber das ist natürlich eine ganz wichtige und richtige Frage.

00:43:22: Es gibt hier eine Spurensuche auch von mir, die ja vielleicht kommen wir da nochmal an den Anfang zurück mit dem Arzt, die ja zwar keine Madeleine ist, aber die ... nach Marokko reist und noch mal Orte aufsucht.

00:43:37: Und die kleine Postezettel an ihre Wand klebt mit Erinnerungen, die ihn einfallen.

00:43:43: Und es gibt hier auch ein Manuskript, was wieder auftaucht.

00:43:47: Aber es ist nicht so diese typische Geschichte, oh, ein verschwundenes Manuskript taucht auf und alles ist klar.

00:43:54: Oder die Geschichte kommt ins Rollen, sondern das deutet sich hier ja schon an.

00:43:59: Das steht eher am Schluss.

00:44:00: Also es wirft eigentlich.

00:44:02: nicht eher Fragen auf.

00:44:04: und was genaues damit aufsichthaft, das sagen wir jetzt einfach nicht.

00:44:08: Das

00:44:09: verraten wir nicht.

00:44:09: und sie hat aber selber in einem Interview gesagt, sie findet diese Manuskript-Fiktionen, wo eben ein Manuskript auftaucht und dann nimmt der Roman eine wahnsinnige atemberaubende Wendung oder so, das findet sie als Schriftstellerin selber total doof und ich glaube deswegen hat sie das auch, auch da wiederum die Erwartung unterlaufen.

00:44:29: Aber dieses Reisen und dieses an die Orte gehen, das beginnt ja mit der Farm der Großeltern, die dann beide auch nicht mehr leben, wie sie durch dieses leere Haus geht, durch diese leeren Wohnungen, Zimmer, die leeren Zimmer.

00:44:45: Und dann, das ist sozusagen der Motor und der Trigger, wie bei ihr Erinnerungen wieder anspringt.

00:44:52: Am Ende kommt Slemanie wieder auf den Neurologen zurück, den die Erzählerin Mia wegen ihres Brain Fox aufgesucht hatte.

00:44:59: Und wir hören abschließend dazu eine Passage aus dem Hörbuch vom Ende des Romans erschienen bei der Hörverlag und gelesenen von der Schauspielerin Wiebke Puls.

00:45:10: Der Neurologe, bei dem ich in Behandlung war, forderte mich auf, ein Erinnerungstagebuch zu führen.

00:45:16: Man muss die kognitiven Ressourcen entlasten, um sie für andere Dinge verwenden zu können.

00:45:21: Er will, dass ich lerne, zu vergessen.

00:45:24: Mich all dessen entledige, was mir im Weg ist.

00:45:27: Und sobald mir irgendetwas wieder einfällt, egal ob Erinnerung oder Lüge, notiere ich es auf einem Post-It.

00:45:35: Die Wände meines Zimmers sind damit gepflastert.

00:45:38: Martils Picknicks auf dem Friedhof.

00:45:41: Die Wohnung über dem Cinema Rex.

00:45:44: Das Sauerkraut, das meine Mutter dem Industrieminister serviert hat.

00:45:48: Manchmal habe ich das Gefühl, meinen Weg wiederzufinden.

00:45:52: wie der kleine Däumling, der mitten im Wald dem Glanz der weißen Kiesel folgt.

00:45:57: Dann wieder gibt der Boden unter meinen Füßen nach, und ich begreife nichts mehr von dieser Geschichte.

00:46:03: Ich schließe die Augen

00:46:04: und versuche das Wissbern der Pappeln im Wind, den Geschmack des Nebels nach einem Tag am Strand, das Gefühl von Fatimas schwieriger Hand auf meinem Rücken wiederzufinden.

00:46:15: Ich bedauere, dass ich nicht mehr vom Glück erzählt habe.

00:46:19: Von der Nacht, in der unsere Mutter uns am Strand schlafen, ließ, um den Mond zu bewundern.

00:46:25: Den verrückten Späßen meiner Großmutter, die uns im Auto beinahe umgebracht hätte.

00:46:30: Vom Duft der Geranium blühten Blätter, die Ines auf die Lieder ihrer Puppen klebte.

00:46:36: Es stimmt nicht, dass man geht, weil man nicht mehr liebt.

00:46:40: Es stimmt nicht, dass man geht, weil man nicht mehr liebt.

00:46:44: Hast du das verstanden?

00:46:46: Es stimmt nicht, dass man geht, weil man nicht mehr liebt.

00:46:52: Ich hab mich gefragt, was damit gemeint ist.

00:46:55: Sind da die Beziehungen gemeint?

00:46:58: Ist da Marokko gemeint?

00:46:59: Es bleibt so wage.

00:47:01: Es ist so wie so ein sehr pathetischer Satz, der eigentlich alles meinen könnte.

00:47:07: Weil es bezieht sich ja auch nicht auf eine bestimmte Beziehung zu einem Familienmitglied oder sie reißt da auch nicht ab.

00:47:17: Das steht so wage im Raum.

00:47:19: Ist aber ein schöner Satz.

00:47:20: Ja, es ist ein schöner Satz.

00:47:22: Ich glaube schon, dass sich der irgendwie erschließt.

00:47:25: Es gibt viele Gründe zu gehen und die schmerzhaftesten Abschiede sind, weil man liebt.

00:47:33: Man geht manchmal auch, weil man liebt.

00:47:35: Sie verlässt Marokko und das tut ihr, weil man nicht von einer zwischenmenschlichen Beziehung, sondern von einer Beziehung zu etwas wie Herkunft Heimat spricht.

00:47:44: Sie verlässt Mia, hat Marokko verlassen und das trägt sie wie ein Feuer.

00:47:51: In sich.

00:47:51: Das ist natürlich auch dieses Trag, das Feuer weiter.

00:47:54: Und das ist auch das, was sozusagen der Vater ihr mitgegeben hat.

00:47:59: Das Feuer auch des Vaters, aber auch dieser ganzen Familie weiterzutragen.

00:48:03: Ja, da findet der Titel sozusagen zu sich selbst.

00:48:07: Genau.

00:48:14: Das war die Sonderfolge unseres Bücher-Podcasts über Leila Stimanis.

00:48:18: Trag das Feuer weiter im Rahmen unseres Projekts gemeinsam lesen.

00:48:22: Wenn Sie Nachfragen, Anmerkungen, Beschwerden oder Lob haben, erreichen Sie uns unter der Adresse bücher-podcastetfz.de.

00:48:33: Bei Instagram heißen wir et fatz bücher.

00:48:37: In der kommenden Folge wird unser Kollege Kai Spanke, ihr Gastgeber, sein Bücher-Podcast der FAZ, erspricht mit Florian Kleng, dem Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung Falter, über dessen neues Buch ausreden, über die Wiener Serienmörderin Elfriede Blauensteiner.

00:48:54: Das Gespräch wird vom Fünfzehnten Februar an zu erreichen sein über Apple-Podcasts bei FAZ.net und den Apps der FAZ für Abonnenten.

00:49:03: Für alle Episoden des Bücher-Podcasts Alle anderen Podcaste, FAZ und alle Artikel bei Faznet in unseren Apps.

00:49:09: Wenn Sie noch nicht dazu gehören, testen Sie unser F-Plus-Abo jetzt drei Monate lang für ein Euro im Monat.

00:49:17: Alles weitere dazu in den Show-Notes.

00:49:19: Wir danken David Brucklacher und Kevin Gremmel für die Produktion dieser Folge und Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, fürs Zuhören.

00:49:28: Danke dir, Sandra, fürs Gespräch.

00:49:30: Danke dir, liebe Julia.

00:49:32: Bis dann.

00:49:32: Bis bald.

Über diesen Podcast

Die F.A.Z.-Redakteure Maria Wiesner, Fridtjof Küchemann, Kai Spanke und Paul Ingendaay stellen im Bücher-Podcast der F.A.Z. ausgewählte Neuerscheinungen und Klassiker der Literatur vor. Sie sprechen mit Schriftstellern, Übersetzern und anderen Experten des Literaturbetriebs und beschäftigen sich mit den Eigenheiten des literarischen Lebens und Lesens.
Jeden Sonntag erscheint eine neue Episode. Einmal im Monat wird ein Literaturrätsel gestellt und unter den Einsendern der richtigen Lösung ein Buch verlost. Viel Spaß beim Mitmachen!

Die E-Mail-Adresse für Anmerkungen, Nachfragen, Lob und Kritik: buecher-podcast@faz.de. Der Bücher-Podcast auf Instagram: @fazbuecher.

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von und mit Frankfurter Allgemeine Zeitung

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