00:00:09: Oktober neunundachtzig in einem Dorf in Brandenburg.
00:00:12: Die Sonne scheint noch warm, die Freundinnen Gabi und Hedi nutzen die letzten Sonnenstrahlen um im See baden zu gehen als ihnen ein Typ auffällt der sie vom Ufer aus anstaht.
00:00:23: er ist groß erst blond und er trägt eine seltsame Arbeitshose.
00:00:27: kurz darauf wird in einem Bungalow in der Nähe eine Frau ermordet.
00:00:31: das Dorf es in Aufruhe.
00:00:32: nicht nur die beiden Freunden haben Angst alle Frauen in der Umgebung fürchten sich Und dann fällt fünfzig Kilometer weiter östlich die Mauer.
00:00:40: Aber die Morde gehen weiter.
00:00:42: Sophie Sumborane hat sich in ihrem Kriminal-Roman keine besonderen Auffälligkeiten, ein wahres Verbrechen aus den letzten Minuten der DDR vorgenommen.
00:00:51: Sie nimmt dabei vor allem die Leute in dem Blick deren Leben eine solche Untat verändert.
00:00:55: Wie lebt man weiter wenn in einem Dorf ein Mord geschehen ist?
00:00:59: Was passiert, wenn obendrein gerade der Staat untergeht und fehlende Polizeistrukturen Ermittlungen erschweren?
00:01:04: Und wie macht man daraus eigentlich eine Geschichte, die die Opfer noch respektiert?
00:01:08: Über all das will ich in dieser Folge des Bücher-Podcasts mit der Autorin Sophie Sumburane sprechen.
00:01:14: Dieses ist die eine Folge des Bücher-Podcasts, die es wie jeden Monat überall dort zu hören gibt.
00:01:20: Wer alle Folgen hören will – wir kommen wöchentlich raus!
00:01:23: Und auch alle anderen Podcast der FAZ sowie obendrein noch alle Artikel bei FATSnet und in unseren Apps erreichen will….
00:01:29: Der kann jetzt drei Monate lang für ein Euro im Monat die FATSS Plus testen.
00:01:35: Und wie das geht?
00:01:36: Erfahren Sie in den Shownutz.
00:01:38: Jetzt aber erst einmal herzlich willkommen, liebe Sophie Sumborane.
00:01:42: Für die
00:01:44: Orientierung, wir duzen uns.
00:01:45: Wir sind fast ein Jahrgang und kommen auch noch aus der gleichen Gegend, beide aus Brandenburg.
00:01:52: Ja
00:01:52: das ist spannend!
00:01:53: Genau.
00:01:54: Das hat mich auf das Thema gebracht des Buches und ich habe mich gefragt wie bist Du drüber gestolpert?
00:02:02: Wie ist die Recherche entstanden beziehungsweise wie bist du auf das thema überhaupt gekommen?
00:02:07: also Ich bin ja Autorin von Kriminalromanen und beschäftige mich einfach sehr gerne mit
00:02:15: allen
00:02:15: möglichen Formen von Verbrechen.
00:02:18: Und in den letzten Jahren habe ich mich auch stärker damit befasst, was hier in meiner direkten Umgebung vor allem in der Wendezeit so passiert sein muss – einfach aufgrund dessen wie die Weltlage aktuell ist, warum Es sind bestimmte Parteien hier in Ostdeutschland so stark, warum funktioniert die Gesellschaft um mich herum?
00:02:38: So wie sie funktioniert.
00:02:39: Warum wird in meinem Umfeld über Probleme lieber geschwiegen als Sie anzusprechen?
00:02:45: Das waren alles Fragen, die ich mir immer öfter gestellt habe und dann hab' ich halt geschaut welche Spezifika gibt es denn hier in Brandenburg?
00:02:52: Was ist denn hier
00:02:53: vielleicht sogar
00:02:54: in der Vergangenheit in der Wendezeit passiert was in anderen Bundesländern?
00:02:58: vielleicht nicht passiert ist und da bin ich relativ schnell auf diesen Fall gestoßen, weil es doch einer ist der an vielen Stellen alle Einstellungsmerkmale hat.
00:03:07: Ich habe so ein bisschen probiert mich dran zu erinnern soweit man das kann.
00:03:11: Das war ja so... Es passierte im Teil meiner Kindheit mehr oder weniger also wo ich jetzt noch nicht so aktiv war im Zeitungslesen und hab dann festgestellt ich bin mir nicht sicher ob ich da einfach sowas überschreibe und denke ja irgendwie von dem Fall glaube ich hat man gehört wie wars bei dir?
00:03:25: War das was tatsächlich damals Thema auch war.
00:03:28: Also es ist ja schon relativ spektakulär Serienwörter, mehrere Morde an Frauen wo man sich eigentlich wundert dass das nicht vorkam oder nicht so ein Gedächtnis hängen geblieben ist.
00:03:37: Ja, also bei mir persönlich ist es jetzt auch gar nicht unbedingt im Gedächtnis hängen geblieben.
00:03:41: Klar erinnere ich mich so als ich klein war dass meine Mutter mir zu bestimmten Phasen ganz besonders deutlich gesagt hat Ich möge bitte zügig nach Hause kommen und mich von keinen fremden Menschen ansprechen lassen.
00:03:52: aber ich glaube das ist ja was man als Eltern den eigenen Kindern gegenüber sowieso äußert.
00:03:57: Das hätte ich jetzt nicht als irgendwas Besonderes
00:04:00: markiert.
00:04:00: Aber als ich meine Mutter davon erzählt habe, dass sich diesen Fall gefunden habe, wusste sie noch ganz genau worum es geht und wer dieser Rosarise war und was das damals hier alles bedeutet hat und wie sich das angefühlt hat damit konfrontiert zu sein.
00:04:14: Und das fand ich doch interessant, dass das bei ihr so präsent war.
00:04:18: Hat sie es in der Zeitung gelesen gehabt?
00:04:19: Also hatte sie, weil ich glaub das meiste was du hast hinten dran so einen kleinen Anhang mit Quellen gerade mit schriftlichen Quellen.
00:04:25: viel war ja Bildzeitungen gewesen an der Berichterstattung damals.
00:04:29: Ja also ich weiß jetzt nicht in welcher Zeitung sie's gelesen hat aber es kam auf jeden Fall aus den aus den Printmedien.
00:04:36: Wie bist Du an die Recherche rangegangen?
00:04:37: Also wie hast Du angefangen dich da wieder reinzuwühlen?
00:04:40: in diesem Fall
00:04:42: Tatsächlich habe ich relativ viel Zeit in der Deutschen Nationalbibliothek verbracht.
00:04:46: Und auch
00:04:46: im Berliner Zeitschriftenarchiv,
00:04:48: da gibt es... Also in der deutschen Nationalbiblutee gibt es viele zahlreiche Artikel aus der Bildzeitung allerdings keine aus der sogenannten Super-Zeitung.
00:04:56: die waren da einfach nicht vorhanden was ja an sich schon merkwürdig ist weil sie eigentlich dazu angehalten sind alles zu sammeln.
00:05:03: Im Berliner zeitschriften Archiv gab es das dann aber auf Mikrofilmen und da habe ich einfach.
00:05:09: mein erster Schritt war zu suchen
00:05:11: Wann
00:05:12: taucht der erste Mord auf?
00:05:13: Wann
00:05:13: wird das erste
00:05:14: Mal darüber berichtet, dass hier eine Mordserie oder ein Mord ... Ich wusste ja, in welche Fälle es geht.
00:05:20: Deswegen kannte ich die Daten und hab ringsrum gesucht.
00:05:24: Und es war tatsächlich ... Die ersten drei Morde fanden nicht statt.
00:05:29: Da standen in keiner Zeitung was weder im ND noch in den Lokalnachrichten auch nicht in Bildzeitungen oder Superzeitungen.
00:05:36: Er ist der Fall... Inge Fischer wurde dann als Vermisstenfall und dann eben der Fall mit der Russin und dem Baby.
00:05:44: Da ging es los, dass es anfing in alle Richtungen zu explodieren.
00:05:48: Also wo es dann auch so wirklich ein bisschen internationaler sozusagen plötzlich auf wurde mit den Opfern?
00:05:53: Genau, richtig.
00:05:54: Dann war es natürlich auch ein Thema Wer ist jetzt dieser Mörder?
00:05:58: Das waren in Belitz-Heilstätten im russischen Garnisonskrankenhaus auf dem Gelände von diesem Krankenhaus und da kam dann der Verdacht auf, könnte das vielleicht ein russischer Soldat oder ein rossischer Staatsbürger, der diesen Mord begangen hat.
00:06:12: Und das war natürlich ein sehr sehr siebles Thema weil schon nach der Wende war dieser Fall passiert Führte dazu, dass der dermalige Kriminal-Oberkommissar auch einbestellt worden ist von den russischen Streitkräften die ja hier noch stationiert waren und alles Mögliche zur Verfügung gestellt bekommen hätte irgendwelche Hubschrauber und Panzer da durch einen Wald zu fahren um den Nörder zu finden.
00:06:36: Aber das ist ja Quatsch.
00:06:37: man kann ja nicht irgendwelchen Hundertschaften durch den Wald schicken
00:06:41: Wochen
00:06:41: nachdem es passiert ist.
00:06:43: Der wäre schon über alle Berge gewesen.
00:06:45: aber das zeigt diese
00:06:46: Aufgeregtheit die damals geherrscht
00:06:47: hat.
00:06:48: Vielleicht sortieren wir es noch ein bisschen, redest du jetzt gerade schon von nach der Wende.
00:06:51: Es ist ja so ein Fall, der losging noch vor dem Mauerfall ganz kurz.
00:06:55: Also den ersten Mord, den du gefunden hast und der auch zu der Serie gehört hat ja noch sozusagen in den letzten Minuten der DDR stattgefunden.
00:07:05: Genau
00:07:05: am vierundzwanzigsten Oktober neunzehntneinundachtzig also wirklich ganz kurz vorher ist Edeltraut Nixdorf bei ihrem Gartenarbeit überfallen worden.
00:07:16: Und relativ schnell ist dann da alles Mögliche in dem Dorf passiert, an Verdächtigungen.
00:07:26: Es wurde jemand gesehen mit der Leiche von Edeltrautnixdorf, der sie dann fallen ließ und wegrannte.
00:07:34: Die Täterbeschreibung war großblond blauer
00:07:36: Schlosseranzug.".
00:07:38: Und das konnte damals viele Leute sein.
00:07:42: Großblond waren damals viele
00:07:44: Menschen, sind auch heute noch
00:07:45: viele Menschen und deswegen lud es dazu einen allmöglichen Verdächtigungen sofort in alle Richtungen zu suchen.
00:07:51: Die Polizei hat sich da nicht mit rumbekleckert, wenn es darum geht die Leute aufzuklären um zu sagen beispielsweise der Ehemann wurde verdächtigt aber dann von der Polizei relativ schnell ausgeschlossen.
00:08:01: im Dorf Hielt sich aber das Gerücht, dass der Ehemann immer noch nach wie vor verdächtigt wird seine eigene Frau am Morde zu haben.
00:08:08: Und weil auch niemand mit den Dorfbewohnern gesprochen hat.
00:08:12: Es gab damals keine Zeitungen es gab niemanden der dort hingekommen wäre irgendein Seelsorger oder irgendwas und mit den Leuten ins Gespräch gekommen wäre.
00:08:19: deswegen haben die sich selber gegenseitig versucht zu helfen oder eben das ganze schlimmer gemacht.
00:08:25: Und so dieses Vakuum... Alle sind damit beschäftigt, den Mauerfall zu beobachten und zu schauen wie geht es jetzt weiter.
00:08:32: Und niemand guckt darauf was in diesem Dorf gerade gärt.
00:08:36: Das muss eine sehr angespannte Zeit gewesen sein für die Menschen.
00:08:41: Ich finde das bringst du im Buch auch ganz behutsam unter.
00:08:46: also diese Verdächtigung im Dorf dass die verschiedenen Leute, die dort wohnen natürlich völlig schockiert sind, völlig aufgeregt sind.
00:08:53: aber Dorfgemeinschaft und Dorfsituation.
00:08:57: Also kleine Gemeinschaft, die eigentlich meins sich zu kennen, wo sowas dann passiert?
00:09:02: Dass das eben so eine sehr gärige Stimmung auch hervorbringen kann und dass das sehr schnell kippt von einer Gemeinsschaft mit allem Meins sich gegenseitig zu kennen.
00:09:12: zu diesen Anschuldigungen.
00:09:14: Wie hast du den Teil recherchiert?
00:09:16: also gab es irgendwie Gespräche mit Zeitzeugen oder sowas noch
00:09:20: Genau, also wir hatten indiz relativ tolle Gespräche mit Zeitzeugen.
00:09:24: Die einmal die beiden Männer, die die Leiche
00:09:27: gefunden haben dann
00:09:28: die Ehepartnerinnen dazu, die auch im Vorfeld schon erzählt haben dass sie der Meinung waren das der Täter damals schon vorher gesehen worden ist im Ort.
00:09:39: Und eine Frau erzählte eben auch, wie das eben so ist in einer Gesellschaft die eigentlich sehr homogen angeblich wäre.
00:09:46: Der eine der dann da nicht reinpasst weil er ein bisschen faul ist oder der eine der da nicht reinpasst,
00:09:51: weil
00:09:51: er zu engagiert bei allem ist also jemand der irgendwie in irgendeine Richtung aus diesem homogenen Konzept rausfällt.
00:09:59: Er wird dann sofort als Dermakierter das gewesen sein muss und das fand ich in den Erzählungen der Zeitzeugen Wie Sie das erzählt haben, also der hatte irgendwie die Arbeit nicht gepachtet.
00:10:08: Deswegen wurde der verdächtigt und der lief immer nachts noch durch Dorf.
00:10:12: deswegen wurde der verdechtigt.
00:10:13: Das fand ich sehr eindrücklich.
00:10:14: was sie für Gründe genannt hat dafür warum man jemanden verdägtig hat da konnte alles sein.
00:10:19: also egal was konnte dazu führen dass man plötzlich irgendwie derjenige ist der es jetzt aber getan haben soll
00:10:25: Also so ein bisschen mittelalterlicher Hexenjagd eigentlich von der Stimmung her.
00:10:28: Naja, eben durch diese Informationslosigkeit.
00:10:31: Weil ihnen niemand gesagt hat wir haben einverdächtigen oder wir verfolgen folgende Spuren dieses Bedürfnis oder dieser Angst die da geherrscht haben muss es gibt hier einen Mörder unter uns und unser Dorf ist klein und wir sind eine Gemeinschaft und eigentlich müssten wir uns doch alle kennen.
00:10:44: das führt zu einer wahnsinnigen Angst Und wenn dann niemand kommt und sagt passt auf wir hier die Polizei oder wer auch immer.
00:10:50: wir ermitteln dass Wir finden das raus wir suchen jemanden und wir haben folgende spuren führt die Angst dazu, dass man eben sich selber
00:10:59: versucht
00:10:59: damit zu helfen, sich von dem fernzuhalten.
00:11:01: Weil der muss es ja gewesen sein oder von demfern zu halten weil der muss das gewesen sein Das ist einfach glaube ich eine relativ natürliche Reaktion.
00:11:08: dann in einer solchen Lage in der man da ist
00:11:11: Angst ist schon mal ein gutes stichwort.
00:11:13: das ist etwas was sich durch das ganze buch so durchzieht weil du probierst den Fall vor allen Dingen aus der Perspektive von zwei jungen Frauen zu erzählen.
00:11:22: Also Gabi und Hedi, kurz für Hedwig.
00:11:25: Die hast du so als deiner Hauptfiguren sozusagen also in Perspektiven wird zum Teil auch aus der Ich-Form erzählt bekommen dir vorgenommen wie kamen die beiden zustande?
00:11:35: Wie bist Du auf die gekommen?
00:11:37: Also ursprünglich hatte ich
00:11:38: ein anderes
00:11:39: Konzept fürs Buch mir überlegt wie ich das gerne erzählen würde und bin dann aber in den Gesprächen oder Versuchtengesprächen, ich habe dann versucht bestimmte Leute zu kontaktieren und mit Menschen ins Gespräch zu kommen.
00:11:52: Immer wieder darauf gestoßen dass die Personen das nicht möchten, dass sie sagen Sie wollen damit nichts mehr so tun haben, sie wollen es vergessen, sie wollten keine Auskunft geben Und da war mir dann relativ schnell
00:12:03: klar,
00:12:03: dass dieses Konzept was ich mir überlegt habe Mit den Menschen die ich dafür
00:12:09: brauchen würde
00:12:10: Nicht umzusetzen ist und ich hätte jetzt natürlich mich in die Bibliotheken setzen können Die Interviews durchgelesen können, die diese Personen damals gegeben haben und das alles rekonstruieren können gegen ihren heutigen Willen.
00:12:21: Also für mich meinen Moralempfinden hätte das wieder strebt.
00:12:25: Für mich wäre es nicht redlich, dass zu machen.
00:12:27: Und deswegen habe ich mich entschieden Teile des Buches zu fiktionalisieren um diesem Wunsch, das alles nicht nochmal erzählen zu müssen gerecht zu werden.
00:12:37: und dass die beiden Figuren so sind, wie sie sind.
00:12:40: Nämlich auch sehr unterschiedlich in ihrer Art mit dem Ganzen umzugehen ist einfach dadurch entstanden das eben auch die Menschen, die mit denen ich gesprochen habe, einfach sehr unterschiedlicher sind und sehr unterschiedliche auf die Welt und auf die Taten damals geblickt haben.
00:12:54: Bevor wir jetzt noch etwas näher in die beiden Hopfiguren reinkommen, würde ich gerne unseren Hörern ... Die Chance geben so ein bisschen rein zu hören.
00:13:00: In die Art wie du das fiktional und als Roman von sozusagen umsetzt?
00:13:05: Wir haben eine Lesestelle vorher vereinbart.
00:13:08: Müssen die Hörerinnen und Höreren noch irgendwas vorab wissen damit man alles versteht was an der Stelle vorkommt?
00:13:14: Genau also die Stelle ist eigentlich im Grunde weil es ja ein Kriminal-Roman ist habe ich eine stelle ausgesucht und der ist auch um den Mordfall um die Mordfälle geht.
00:13:23: Es geht um Edeltrautnixdorf, das erste Opfer vor dem Mauerfall.
00:13:28: Und was dort geschrieben steht ist rekonstruiert aus dem, was ich halt aus den Archiven herausfinden konnte.
00:13:37: Dez, der vierundzwanzigste
00:13:38: Oktober neunzehntneunundachtzig.
00:13:41: An diesem Dienstag fuhr die einundfünfzigjährige Edeltrautnicks Dorf am frühen Nachmittag mit ihrem Fahrrad aus der Dorfmitte in Richtung ihres Bungalows am Rand von Dez.
00:13:51: Sie hatte die Frühschicht im Konsum gehabt und darum schon Feierabend.
00:13:55: Sie bat oft darum, diese Schicht zu bekommen, denn sie liebte das zeitige Anfang – Das Aufstehen wenn das Dorf noch schlief Und das Fertigsein für den Tag Wenn andere gerade ihre Mittagspause beendeten.
00:14:07: So blieb ihr am Nachmittag noch Zeit zum Beispiel für die Gartenarbeit.
00:14:11: Zeit zum Abschalten und rauskommen.
00:14:14: Im Moment waren die Zeiten schwierig auch im Laden.
00:14:17: Mal hatten sie zu viel von allem und sahen fast schon so wie das Obst schrumpelig wurde, weil gab es gar nichts oder viel zu wenig.
00:14:24: Und der Kaffee war hier im Dorf schon lange zur Bückware geworden.
00:14:28: Und den Ärger der Leute bekamen sie ab – über einfach alles diskutierten Sie mit ihr!
00:14:33: Der Konsum war schon immer der Anlaufpunkt für Dorftrage gewesen und eben auch für Unmut.
00:14:38: Darum war sie froh sich an diesem schönen Herbsttag mit etwas Entspannteren befassen zu können — die Arbeit seinzulassen und die Sonne noch zu
00:14:45: genießen.".
00:14:47: Auf dem Weg zum Bungalow kam sie wie immer beim Rudi vorbei und blieb am Zaun stehen, als sie ihn sah.
00:14:53: Winkte und sah einen Moment lang zu was auf seinem Grundstück vor sich ging, wie die zwei Männer von nebenan im Keller verschwanden und immer wieder kamen um neues Werkzeug aus ihrem Auto zu holen.
00:15:04: Rudi hatte sich das Haupthaus der ehemaligen Ziegelei zu einem Wohnhaus ausgebaut und wohnte so nun gleich ganz vorn in der Reihe bekam alles mit und kannte hier jeden.
00:15:14: Er wusste, wer hinunter vor zu den Erdelöchern, den Bungalows oder dem Rundweg.
00:15:20: Saar die Reiter vorbei ziehen und manchmal das Dammwild auf der Wiese gegenüber – die gleich an den Wald grenzte.
00:15:27: Heute grüßt er Edeltraut, erzählte kurz von dem Rohrbruch unterm Haus, der die beiden Nachbarn zum Reparieren zu ihm gebracht hatte, weil er auf eine Firma nicht warten wollte und was den Tumult erklärte, der sie zum Anhalten bewogen hatte.
00:15:41: Dann stieg sie wieder aufs Rad und fuhr die letzten Meter zu ihrem Bungalu.
00:15:45: Sie wollte vor dem Winter noch Tulpenzwiebeln in die Erde einbringen.
00:15:49: Das musste erledigt sein, bevor der erste Frost kam.
00:15:52: Sie liebte ihren Garten und den Blumen darin und nahm auch den staatlich vorgeschriebenen Anbau von Gemüse- und Obst gern in Kauf.
00:15:59: Es war natürlich auch praktisch sich selbst so einen Stück weit versorgen zu können – gerade jetzt in diesen unsicheren Zeiten, in denen plötzlich alles teurer wurde!
00:16:09: Da liefert ihr ihr Pflaubenbaum
00:16:10: trotzdem jeden
00:16:11: sommerfrische
00:16:12: Früchte.".
00:16:14: Die Pflaumen konnte sie einwecken oder zu Mus verarbeiten, oder direkt nach dem Flücken
00:16:18: essen.
00:16:19: Nur ein geringer Teil kam dann doch in den Konsum.
00:16:22: Die Sonne und die feuchte Luft hier draußen machte die Früchte süß und prall.
00:16:27: Im Sommer verkaufte sie sogar manchmal ihre Tomaten, Kartoffeln und Gurken an den Konsuum.
00:16:33: Viel bekamen Sie dafür nicht – aber das machte man eben.
00:16:35: wenn man mehr hatte als man brauchen konnte, wäre noch sonst auch Verschwendung!
00:16:41: Und sie brauchte ja eigentlich vor allem ihren Garten Die Blumen, die Schönheit der Farben, die schätzte sie.
00:16:47: Die stille Abgeschiedenheit hier draußen im Haveland.
00:16:51: Die Hafelfloss direkt hinter ihrem Zaun in einem dünnen Seitenarm entlang und schließlich nicht weit entfernt in den Trebelsee.
00:16:58: Manchmal kamen die Enden bis zu ihr an den Gartenzauen aber nur selten kamen an dieser Gartensiedlung am Waldrand Menschen vorbei eigentlich nur die anderen Pächter und Bewohner denn manch einer wohnte auch hier in den Bungalows.
00:17:13: Doch heute schien niemand außer ihr da zu sein.
00:17:16: Auch Erika von nebenan war nicht zu sehen, nur auf ihrer Leine flatterten ein paar Wäschestücke.
00:17:22: Edeltraut fiel auf, dass auf der Leine ein paar Lücken zwischen den Wäsche-Stücken gelassen worden waren.
00:17:28: Vielleicht war die Tochter zu besuchen hatte helfen wollen und naja, die jungen Frauen waren eben manchmal nicht so richtig
00:17:33: ordentlich heutzutage
00:17:35: Und darum sah das nun so aus mit diesen freien Stellen
00:17:38: mittendrin.
00:17:39: Edeltraud ging in ihren Geräte schuppen holte Hake und Hacke, einen Eimer für das Unkraut heraus und begann den Boden aufzulockern.
00:17:47: Der schon reichlich kalt geworden war!
00:17:49: Die kühle Erde für die Zwiebeln bereit zu machen – immer wieder rutschten ihr die hochgeschobenen Ärmel ihres Pullis zu den Händen hinab.
00:17:57: Doch ihn auszuziehen erschien ihr zu kalt.
00:18:00: Dabei waren es an diesem klaren Tag im Oktober noch fast zwanzig
00:18:03: Grad
00:18:04: auch jetzt noch am Nachmittag.
00:18:06: Die Sonne schien ihr in den Nacken doch edeltraut wusste dass die Nächte im oktober schon kalt wurden.
00:18:13: Sie zog die Hake durch den dunklen Boden und grob die Finger hinein, um Mulden zu formen.
00:18:18: Zupfte hier und da ein Bischofschirn Unkraut heraus und ließ es in den kleinen blauen Eimer neben sich fallen.
00:18:24: Der Wind blies ihr durch die kurzen lockigen Haare, sodass sie nicht gleich die Geräusche hörte, die aus ihrem Bungalow kam.
00:18:30: – War Walter doch schon da?
00:18:33: dachte sie.
00:18:34: Er geht doch eigentlich nie durch die hintere Tür!
00:18:37: Und wollte heute auch länger bleiben.
00:18:40: Sie stand auf und sah zum Haus Doch es war niemand zu sehen, keine Schatten oder Bewegungen.
00:18:46: Sie glaubte einen Tür zu hören – ein dumpfes Schlagen von Holz auf Holz und ging auf die offene Bungalow-Tür zu.
00:18:54: Stand im Rahmen hielt sich am weißlackierten Holz fest und sah nachts und sah nichts außer ihrem eigenen Schatten auf dem Teppichboden.
00:19:02: Sie lauschte in die Stille hinein doch da war nichts mehr zu hören!
00:19:06: Vielleicht war nebenan doch jemand da?
00:19:09: Wer weiß, was der Egon wieder tut dahinter verschlossenen Türen das es so rumpelt?
00:19:14: Also ließ sie ihre Hand mit der Hacke darin wie da sinken.
00:19:18: War auf einen letzten Blick in ihren
00:19:20: Bungalow
00:19:21: links in ihrer Küche auf den Tisch Mit der rot-weißen Decke und den fünf weißen Nelken in der blauen Vase die sie erst gestern abgeschnitten hatte.
00:19:30: Es schien nichts zu sein also ging sie zurück in den Garten Erschatten viel wider hinter ihr auf des Gras Und dann hörte sie erneut dieses Geräusch wie Schritte in so schweren Stiefeln, wie niemand hier sie trug.
00:19:44: Es waren schwere Schritte, tiefe Spuren in den Gartenboden drückten und als Edeltraut Nixdorf sich umtrehte die Hacke noch immer in der Hand und den Mann erblickte, der sie nur ein paar Schritte entfernt anschaute begannen sie sofort zu schreien du Mistsau!
00:19:58: Du Schwein haublos
00:19:59: ab!".
00:20:00: Und sie sah, wie sein Gesicht sich veränderte wie die Augen dunkler wurden, die Gestalt sich verkrampfte.
00:20:05: Seine Füße steckten in schweren Stiefeln – die Beine in einer indigoblauen Trainingshose unter einer gelblich grünen offenen Jacke sammeln einen rosa Frauenunterhemd.
00:20:14: und war das ein BH?
00:20:17: Nur noch kurz überlegte Edeltraut Nixdorf in ihrer Panik ob es eine NVA-Jacke war, die dieser Mensch da trug oder eine von der Polizei und sie schrie weiter als er aufs Zug kam und ihr die Hacke aus der Hand riss bis die Welt um sie herum versank.
00:20:32: Herbert Schlosser, der zufällig von seinem eigenen Grundstück vier Parzellen weiterkam als in Edeltrautnixdorf in eine gelbe Decke gewickelt aus ihrem Garten getragen und vor Schreck über das Entdeckt worden sein vor ihrer eigenen Hecke fallen gelassen wurde würde den Mann im Garten seiner Nachbarin später nicht gut beschreiben können.
00:20:50: Zu weit weg sei er gewesen.
00:20:51: Vier Parzällen weiter hat zu schnell alles gegangen nachdem er dem Mann von dem er dachte es müsse ein Einbrecher sein gerufen habe.
00:21:00: Er habe nur gesehen, wie jemand der eine blaue Hose trug und irgendwie blond war und eher groß und schlank.
00:21:05: Mehr wisse er zu seinem Aussehen nicht mehr!
00:21:07: Wie der ein großes gelbes Bündel vom Grundstück der Edeltrotnicksdorf erst trug – dann zog es aber losließ als er merkte das er gesehen worden war.
00:21:17: habe das schwarze oder braune in den Nebenarm der Havel geworfen, ihn kurz angesehen und sei schließlich in den Wald hinein Richtung der Dezer-Erdelöcher verschwunden.
00:21:31: So schnell habe er da nicht mehr viel erkennen können!
00:21:34: Man rechnet doch auch nicht mit sowas – und denke nicht.
00:21:37: ach jetzt merke ich mir hier mal alles ganz genau so.
00:21:39: was tue doch keiner darum, wisse er es nicht mehr.
00:21:42: Nur die nackten Beine, die aus der gelben Decke herausschauten, die habe er sehr genau gesehen.
00:21:47: Er habe nicht lange überlegt und sei zum einzigen Telefon um Ort gegangen, na gut gerannt.
00:21:52: Das Telefon bei Klaus Gruner und dessen Frau habe die Polizei angerufen und dann seien sie zum Rudi Heinemann gegangen und zu dritt runter zum Bungalow der Edeltraut Nixdorf und hätten geschaut ob sie noch lebt.
00:22:03: Hätten in die Decke geguckt und einer der beiden Männer – er glaube es war der Klaus?
00:22:08: – habe dann geweint als er sie sah.
00:22:11: Keiner erkannte mehr ihr Gesicht!
00:22:13: Sie sahen sich an und waren alle drei überrascht Als Gemeindeschwester Rita plötzlich neben ihnen stand.
00:22:19: Rita beugte sich nur kurz zur Edeltraut herunter und murmelte,
00:22:23: sie hat doch gesagt,
00:22:24: versuch Sie zu retten schnell!
00:22:26: Vor sich hin schlug die Hände vor den Mund und wurde still.
00:22:30: Sie griff Rudi und Klaus am Arm und zog sie weg von der Leiche der Decke dem Gartentor.
00:22:35: Nur Herbert stand noch immer ganz dicht neben Edeltrat Nixdorfskörper.
00:22:39: Rita sah Klaus an und ließ die Händen von seinem Hemdermel sinken.
00:22:43: Deine Frau ist zu mir gerannt gekommen, Klaus.
00:22:45: Sie hat gesagt ich soll rennen sie retten!
00:22:48: Habt ihr schon die Polizei?
00:22:49: fragt sie.
00:22:50: doch niemand in Uniform war in der Nähe.
00:22:53: Sie sah sich um.
00:22:54: immer mehr Männer aus dem Dorf kamen jetzt zum Bungalow aber noch immer keine Sirene keine Absperrbänder.
00:23:00: manche der Männer kamen auf Moped andere mit dem Fahrrad.
00:23:03: zwei gerannt jetzt da Ritter auch zwei Frauen eine davon Lorie die sie alarmiert hatte Die Andere die Pferde wirten des kleinen Hofs am anderen Dorfrand mit ihrem Pferd.
00:23:12: Jemand fragte, hat irgendwer Walter gesehen?
00:23:15: Doch niemand antwortete.
00:23:17: Er war nicht da!
00:23:19: Herbert Schlosser zeigte nur in Richtung der Erdelöcher doch nicht weil dort der Ehemann erschienen wäre.
00:23:24: Alle stiegen auf den kaufen wir uns rufen sie und die Maschinen knatterten los.
00:23:28: alle Männer und die Pferde wirden auf dem Pferd verschwanden im Wald Und dann blieben nur noch gemeinde Schwester Rita Lory und Stille zurück.
00:23:37: Die Stille des Todes die so tiefgreifend war dass sie jedes Geräusch übertönte.
00:23:42: Erst spät am Abend, als es dunkel geworden war, kamen die Männer wieder zurück.
00:23:47: Mit leeren Händen und leeren Blicken!
00:23:49: Und nun endlich kam auch Walter Nixdorf mit dem Rad aus der anderen Richtung von Goetzer Berge angefahren und sah, wie Rita, die neben seiner Frau ausgehaart hatte, von zwei Polizisten von einer gelben Decke weggeschoben
00:24:01: wurde.
00:24:03: Edeltraut lag noch immer eingewickelt dort.
00:24:06: Ihre Hose trieb noch immer im Nebenarm der Havel.
00:24:09: Ein Hosenbein hing fest an Beschangen.
00:24:12: Niemand sagte etwas, als
00:24:13: Walter
00:24:13: auf die Knie sank und zuließt.
00:24:15: Das Rieter ihm die Hand auf die Schulter legte, ihn festhielt, als würde er umzukippen drohen.
00:24:21: Erst kurz vor ihm war schließlich auch die Polizei gekommen.
00:24:25: Ein Paar in Zivil, ein Paar im Uniform – der Zeuge Herbert Schlosser gab seine Aussage zu Protokoll.
00:24:32: Blond, groß, blaue Hose… dann weg mehr nicht!
00:24:36: Und erwünschte sich, er könnte den Mann besser beschreiben hätte ihn vielleicht sogar gefunden zwischen den Erdelöchern auf dem Moped.
00:24:43: Soweit konnte er nicht gekommen sein, er wünschte sich ein besserer Zeuge gewesen zu sein denn was danach passierte das wäre bestimmt nie passiert wenn er ihn nur hätte besser beschreiben können.
00:24:53: Vielen Dank fürs Lesen.
00:24:55: Wir haben gehört wie das erste Opfer umgekommen ist.
00:24:59: Ich fand es ganz interessant, dass du sagst die beiden Hauptfiguren, die du so konstruiert hast auch wahrscheinlich zusammen destilliert aus Gesprächen, die Du geführt hast mit jungen Frauen von damals, die heute nicht mehr ganz jung sind.
00:25:11: Die sind beide fiktional und haben beide Namen, die es nicht wirklich gibt.
00:25:16: Die Opfer hast Du Dich entschieden komplett beim Namen zu nennen?
00:25:20: Also Nixdorf war der Name des ersten Opfers.
00:25:24: Wie kam's zu der Entscheidung?
00:25:26: Das war...
00:25:27: Eine ganz bewusste Entscheidung, weil ich finde das es wichtig ist
00:25:32: sich an die Opfer zu erinnern.
00:25:33: Es gibt ja auch diese Initiative
00:25:36: Say Day Names wenn es um rassistische Morde geht wo dann auch
00:25:40: ganz deutlich der Name des Täters oder der Personen die das verübt hat unter dem Deckel gehalten wird und die Namen der Opfer werden aber deutlich genannt und herausgestellt.
00:25:49: Und
00:25:49: daran
00:25:50: habe ich mich orientiert weil ich denke dass es wichtig Verbrechen zum Opfer gefallen
00:25:57: sind,
00:25:57: zu gedenken und sich an sie zu erinnern als eine Form von Mahnmal auch.
00:26:01: Dass solche Femizide in unserer Gesellschaft einfach nicht passieren dürfen das es nicht sein darf dass wir in einer Gesellschaft leben in der so etwas möglich ist Und das ist es ja bis heute.
00:26:12: Die Statistiken sind genauso erschreckend noch immer.
00:26:14: also wenn man sich anguckt wie viele Femizee in Deutschland pro Jahr begangen werden Das ist immer noch Wahnsinn Wobei da zum Teil wahrscheinlich meistens aus anderen Gründen als dann der Täter das hier begangen hat.
00:26:27: Also viele Femizie sind ja dann doch in der Familie, was auch die erste Ermittlungsstrategie der Polizei war, so wie du es beschrieben hast.
00:26:36: Hast Du alte Akten tatsächlich einsehen können?
00:26:38: Hast Du tatsächlich soweit in die Polizeiarbeit von damals reinschauen können?
00:26:42: Also dadurch dass die Person nach wie vor im Maßregelvollzug sitzt und nicht freigelassen wurde wird jedes Jahr erneut
00:26:51: geprüft
00:26:52: ob eine Freilassung oder eine Resozialisierung möglich ist.
00:26:55: Und damit ist das noch ein offener Fall.
00:26:57: und weil es ein offene Fall ist, dürfen die Ermittlungsakten nicht nach draußen gegeben werden?
00:27:01: Weil sonst könnte man ja nachlesen was die Personen da drinnen so erzählt Und vielleicht darauf Einfluss nehmen, ob man die Personen als resozialisierbar einschätzt oder nicht.
00:27:10: Als Medien wenn man diese diese Information hätte und darum ist es einfach nicht nicht erlaubt und auch aus guten Gründen nicht erloppt dass wir als Medien oder ich als Autorin da Einsicht nehmen können auch nicht in das was früher war.
00:27:21: Es gibt aber einen Abschlussbericht der damals veröffentlicht worden ist vom Gericht.
00:27:27: den durfte ich einsehen und ansonsten hatte ich natürlich die Möglichkeit auch mit dem damaligen Terminal-Oberkommissar Detlef
00:27:34: Schulze zu
00:27:34: sprechen und der konnte natürlich aus seinen Erinnerungen sehr viel rekonstruieren, was mir dann im Schreiben geholfen hat.
00:27:42: Und es ist auch erschreckend wie viele doch eins zu eins damals in den Zeitungen gelandet sind.
00:27:47: also relativ schnell nach dem ersten Verhör stand das komplett über zwei Seiten Wort für Wort in der Bildzeitung und das habe ich natürlich auch verwenden können klar.
00:27:58: aber das ist auch eine interessante Frage gewesen die ich mir gestellt hab.
00:28:00: Wie kam's denn eigentlich dazu?
00:28:02: Die Frage hätte ich auch gehabt.
00:28:04: Du hast im Buch einen ganz interessanten Dreh gefunden, das ganz elegant mit einzubinden, nämlich Gabi, die eine der Hauptfiguren beschließt in diesen Umbruchjahren, die Nineteinneun, Achtzig und Neunzig dann ja auch bedeuten für die ganze Gegend und für die jungen Frauen damals noch.
00:28:20: Sie beschließts ihrem Beruf komplett zu ändern also hat eigentlich ne Ausbildung gemacht.
00:28:24: zur Pferde wirten ist es glaube ich wenn nicht mich recht erinnere Und geht jetzt zur Bildzeitung und fängt dort einen Volontariat an, eben aus dem Impuls raus.
00:28:32: Und wie mehr über diese Fälle in Erfahrung zu bringen diesen Täter irgendwie zu stellen.
00:28:37: Ja war das so der Gedanke dahinter dass man dadurch die ganze Berichterstattung der Bildzeitungen auch diese ja sehr moralisch fragwürdigen Methoden mit denen damals vorgegangen wurde ein bisschen besser beleuchten kann?
00:28:49: Genau
00:28:50: also das war...der Gedankel einmal braucht es natürlich für den Kriminalroman auch in irgendeiner Weise eine Ermittlerfigur die Ermittlungen oder den Gang des Fals voranbringt für die Leserinnen und Leser.
00:29:02: Und ich fand das einfach interessanter, mir anzuschauen wie damals die Medien vorgegangen sind um an Informationen zu kommen als die Polizeiarbeit zu rekonstruieren.
00:29:11: Die Polizeiarbeit war ja in Teilen relativ lückenhaft und ich glaube dass dieser Dreh Gaby zur Bildzeitung zu schicken einerseits die Missstände zeigt, die damals offensichtlich in den Redaktionen geherrscht haben müssen.
00:29:25: Ich bin nicht in einer Redaktion gewesen und ich habe auch nicht mit heutigen Bildzeitungsjournalistinnen und Journalisten darüber gesprochen, wie die Zeit für sie damals war.
00:29:34: Ich hab nur relativ viele Zeitungsartikel gelesen
00:29:38: – auch
00:29:39: solche, die mit dem Fall gar nichts zu tun haben!
00:29:41: Und habe mich einfach gefragt, wie muss so eine Redaktionsaufgebaut sein um solche Stilblüten zum Teil grausame wirklich merkwürdige Dinge hervorzubringen?
00:29:53: was Gabi in dem Buch, in den Redaktionen erlebt ist das Ergebnis davon von diesen Überlegungen.
00:29:58: Und das führt natürlich einmal dazu, dass sie erst mal die ersten beiden Fälle, die ja völlig vergessen werden immer wieder versucht anzubringen und darüber schreiben zu dürfen, da recherchieren zu dürfen und gegen Mauern läuft weil es niemanden interessiert, wer da die alten Frauen sind.
00:30:13: Das waren zwei ältere Frauen, die da irgendwie am Rand von Brandenburg umgebracht worden sind.
00:30:19: Da war das Interesse ging gegen Null Und erst als dann eine eher junge Frau und eben diese Russinnen mit dem Baby ermordet worden sind, da war das Interesse plötzlich groß.
00:30:29: Um diesen Umspung zu zeigen von wer sind denn die alten Frauen am Rand von Brandenburg?
00:30:33: Was interessiert mich das hinzu?
00:30:35: Oh jetzt ist es ne junge Frau beziehungsweise oh jetzt ist in Russien Jetzt ist es plötzlich Thema.
00:30:40: Das fand ich interessant zu zeigen wie dass Wie das in den Redaktionen scheinbar funktioniert haben kann.
00:30:47: Also eigentlich eine Mentalität.
00:30:48: dies heutzutage also Heutzutag würde man sagen das Klickzahl getrieben Aufmerksamkeitsgetrieben, eine junge Frau, wo man dann auch noch ein Bild abbilden kann.
00:30:55: Verkauft sich besser.
00:30:56: Man bringt mehr Auflage als die alte Nachbarin, die im Garten ermordet hat.
00:31:00: oder ganz zynisch gesprochen und so liefert die Berichterstattung damals anscheinend.
00:31:06: Wie viel hat denn reingespielt eben das alles in dieser Wendezeit passiert ist?
00:31:11: Also dass der erste Mord kurz vorm Mauerfall, wirklich ein paar Wochen vor dem Mauerfallen geschehen ist und dann dieser ganze Umbruch war.
00:31:19: Ich nehme an da ist ja auch relativ viel an Polizeistrukturen aufgelöst worden.
00:31:23: das kommt auch im Buch so vor.
00:31:25: Staats-Stadtsicherheit
00:31:26: ist plötzlich
00:31:28: aufgelösst nicht mehr vorhanden.
00:31:29: wo man auch sagen würde wenn man so eine Mordsee hat wäre bestimmt etwas an Apparat normalerweise in Bewegung gesetzt worden um größere Ermittlungen durchzuführen.
00:31:37: Das findet alles nicht statt oder nur sehr rudimentär statt.
00:31:41: wieviel es da dem Umbrucher einfach geschuldet, dass da so ein Chaos herrschte?
00:31:45: Ja.
00:31:46: Also ich glaube das der Täter damals einfach Glück hatte und die Ermittlungen waren nicht vom Glück verfolgt.
00:31:52: Das kann man einmal Eingangs so sagen
00:31:55: Und dann
00:31:55: spielt natürlich die Wende eine große Rolle weil
00:31:58: vor der Wende
00:32:00: ist ja in der DDR
00:32:01: quasi nie über Mordfälle
00:32:02: berichtet worden.
00:32:04: Das stand nicht in den Zeitungen, wenn jemand ermordet wurde.
00:32:08: Die Stadtsicherheit hat dafür
00:32:09: gesorgt,
00:32:09: dass da der Deckel draufgehalten wurde und niemand drüber sprach.
00:32:12: Die Mörder wurden eingesperrt.
00:32:17: Man sagte, der sozialistische Mensch ist kein Mörde, deswegen darf es das nicht geben.
00:32:23: Deswegen reden wir da nicht drüber.
00:32:25: Dann passierte eben ... die Wände und passierte der Umbruch, dass dann auch die Medien plötzlich nach Brandenburg kamen oder sogar in Brandenburger mit Gabi nach Reportern gesucht haben.
00:32:36: Die plötzlich dafür da waren all diese Dinge ans Licht zu holen, die vorher nie ans Licht geholt worden sind.
00:32:43: Und dann die Polizei, die eben vorher von der Stasi in großen Teilen nicht komplett aber in großen Teilen kontrolliert und durchleuchtet worden ist ja zum Teil Polizisten auch selber in der Stasi gewesen.
00:32:57: Und dann plötzlich dieser Umbruch, die Stasi gibt es so in der Form nicht mehr?
00:33:03: Jetzt wird aufgearbeitet jetzt werden Polizistinnen und Polizists, die dort Teil von waren rigoros entfernt oder entfernen sich selbst oder gehen in den Westen oder
00:33:15: verstecken sie sich solange
00:33:16: und hoffen dass sie nicht gefunden werden als ehemaliger Stasi Mitarbeiter das sie einfach die Füße stillhalten.
00:33:24: In diesem Vakuum, wo ganz viele Leute plötzlich weg sind oder verdächtigt werden kommen dann auch ganz viele Kollegen aus dem Westen die dann diese Lücken füllen sollen und die dann Menschen vor die Nase gesetzt werden.
00:33:36: Die jahrelang gut funktionierend in einem Team gearbeitet haben und wussten was sie tun sollen und wusste wie sie arbeiten wussten welche Gesetze gelten und plötzlich galtene andere Gesetzer.
00:33:48: Waren die Regeln anderswürdig, waren die Abläufer anders?
00:33:50: Plötzlich sagte einem irgendjemanden, den man noch nie gesehen hatte.
00:33:54: Der aus Köln kam beispielsweise wie man jetzt zu arbeiten hat und das führte einfach dazu dass sie vor allem mit sich selbst beschäftigt waren nicht damit irgendwelche Mordfälle aufzuklären Und das hielt auch ziemlich lange so an.
00:34:09: Wie lange ungefähr?
00:34:10: was hast du daraus gefunden?
00:34:12: also
00:34:13: ich kann es jetzt nicht konkret sagen aber Ich glaube, so richtig aktiv
00:34:18: ermittelt
00:34:19: wurde dann erst wirklich mit dem Fall Inge Fischer.
00:34:21: Also Anfang
00:34:22: nineteenhundertneunzig
00:34:24: quasi von Mauererfall bis Wiedervereinigung war eine Suchphase.
00:34:30: die Polizisten wussten ja auch gar nicht mehr welche Gesetze eigentlich gelten.
00:34:34: Die mussten alles neu
00:34:36: lernen
00:34:37: als ob alles was vorher war plötzlich hinfällig ist.
00:34:41: das hat sie sehr beschäftigt offensichtlich
00:34:43: Ja, und genau in diese zwei Jahre in dieser Episode fallen ja die Morde, die gar nicht so weit auseinander auch liegen.
00:34:51: Also wenn man sich das auf der Karte anguckt, hätten die Strukturen funktioniert hätte, dass durchaus eigentlich auffallen müssen?
00:34:58: Dass da ähnliche ... Ähnliche Muster, ähnliches Vorgehen.
00:35:04: Dass man klar sehen könnte okay es könnte sich um den gleichen Täter handeln.
00:35:06: also das ist ja sowas wo man heutzutage in diesen auch mit dem was wir so aus Ermittlungen kennen und durch Fernsehen als Vorstellung haben davon wie Heutzutag Ermittlung ablaufen hätte man gedacht oh Gott das hätte sofort auffallen müssen dass das der gleiche Täter ist.
00:35:19: das ist schon immer das gleiche Vorgehens gewesen sozusagen Ja.
00:35:23: also das kann man meinen.
00:35:24: aber ich kann nachvollziehen vom Fall in Dietz zum Fall in Ferch noch keine Verbindung hergestellt worden ist.
00:35:31: Aber dann spätestens ab Inge Fischer, wo auch Kleidungsstücke um den Körper der Frau trappiert waren und die Ermordung... Art und Weise immer die gleiche war, hätte man dann schon die Verbindung deutlicher herstellen können.
00:35:45: Aber ich glaube es ist ja erst danach bei der Russin dann wirklich entschieden worden dass Inge Fischer und die Russinnen zusammenhängen das aber die beiden Morde
00:35:56: vorher
00:35:57: in Dez und in Ferch auch dazu gehören.
00:35:59: Das hat man erst raus gekriegt als der Täter gestanden hat Und das war vorher auch nicht bekannt.
00:36:04: Also man hat nur Ingefischer und Tamara Petrokova
00:36:08: zusammen gebracht
00:36:09: Und dann gedacht, hier läuft ein Mörderum der zwei Frauen umgebracht hat.
00:36:13: Dass das aber schon vier waren?
00:36:15: Das hat man erst raus gekriegt, als man ihn befragt hat.
00:36:19: Ich finde ganz interessant, um noch mal ein bisschen auf die Struktur des Kriminalromans zurückzukommen.
00:36:23: Wir haben nicht nur die beiden jungen Frauen, die aus ihrer Ich-Perspektive erzählen.
00:36:28: Also wir haben Gabi, die von der ich Perspektive erzählt wie sie diese Reporterarbeit vornimmt und quasi unsere Ermittlerfigur ist, wie sie probiert rauszufinden wäre.
00:36:36: Der Mann ist den Sie und ihre Freundin wahrscheinlich damals beim Baden gesehen haben.
00:36:40: also sie sind sich auch zwischendrin immer nie sicher... War es jetzt oder war es nicht?
00:36:44: Unheimlich war er ihn, aber ist das die Person gewesen.
00:36:47: Hedy macht noch eine ganz andere Entwicklung durch also zieht sich erst komplett zurück wird von ihrem Partner auch sehr ja in so einer beschützenden Haltung eigentlich schon überbeschützt und davon abgehalten irgendwie ein eigenes Leben zu führen eine ganze Zeit lang Also der probiert sie dann sozusagen in der Wohnung zu behalten aus Angst dass ihr irgendwas passiert.
00:37:07: Und dann wird relativ viel manchmal so bisschen protokollhaft Personen erzählt.
00:37:14: Und was ich ganz interessant fand, war du hast ja so eine eigene Jagd nach dem Mörder sozusagen einem dem Publikum ermittelt.
00:37:22: also wir haben so einen Verdacht und dann wird zwischendrin aber noch das was auch die Dorfbewohner sich fragen dass was Hedy und Gabi sich fragen mit wer ist.
00:37:32: Das fragt man sich beim Lesen selbstverständlich auch und es werden ein paar Seile noch zwischen reingezogen, wo man sich jetzt nicht sicher ist.
00:37:39: Ist das ein Hinweis darauf dass es eine Person sein kann die wir vielleicht schon kennen oder ist es doch jemand anders?
00:37:46: Wie hast du das entwickelt?
00:37:47: wie kam die Idee da rein?
00:37:49: also Es war natürlich für mich von Anfang an klar, dass ich jetzt nicht einfach eins zu eins den Fall nach erzählen will und man von Seite Eins schon weiß was am Ende dabei rauskommt.
00:37:58: Das hätte man ja auch bei Wikipedia nachlesen können.
00:38:01: das ist sehr langweilig.
00:38:02: deswegen finde es interessant diese Seile
00:38:06: wie du
00:38:07: sagst mir auszudenken weil ich nämlich glaube dass dieses gerade von von Hedi dieses Narrativ der Partner sperrt mich in meine Wohnung ein weil er mir einredet dass außerhalb meiner Wohnungen der Mörder auf mich wartet, ist ja ein sehr bekanntes auch wenn es darum geht häusliche Gewalt zu rechtfertigen.
00:38:27: Das war etwas was ich ganz gerne mit erzählen wollte eben gerade wegen dieser Diskrepanz zwischen aus welchen Gründen passieren Femizide hauptsächlich?
00:38:34: das sind oft Partner, Ex-Freunde, Väter Brüder also näheres Umfeld der Frau.
00:38:40: in dem Fall war's aber wirklich
00:38:42: komplett
00:38:43: anders.
00:38:43: in dem fall waren sie einfach Zufallspersonen und wenn es um Femizide geht, sehr ungewöhnlich.
00:38:50: Um das zusammenzubringen habe ich Hedi entwickelt und Hedis Partner entwickelt.
00:38:58: Und diese Seile eingezogen weil ich denke dass das wesentlicher Teil ist der bei Femizin mit erzählt werden muss, dass es eben statistisch gesehen eben doch häufiger der Ehrpartner als der Unholt im Wald ist.
00:39:13: Ich mache dir
00:39:13: Angst vor...
00:39:14: einer Entität, die draußen auf dich wartet, welcher auch immer das ist.
00:39:17: Dazu führt dass Frauen sich dann eben einsperren lassen und sich so behandeln lassen.
00:39:21: Und das war was ich gerne mit zeigen wollte.
00:39:23: deswegen habe Ich das so angediegt.
00:39:26: Du hattest am Anfang gesagt eine deiner Motivation dich mit dem Fall zu beschäftigen War auch ein bisschen mehr übers heute rauszufinden also darüber warum Die leute in deiner umgebung so sind wie sie sind.
00:39:40: von dem schweigen hatteste kurz geredet.
00:39:42: Was hast du denn herausgefunden?
00:39:45: Tja, das
00:39:45: ist eine wirklich
00:39:46: interessante
00:39:46: Frage.
00:39:46: Ich kann es gar nicht
00:39:48: so genau festmachen
00:39:49: aber auf jeden Fall habe ich herausgefunden dass das Schweigen ein sehr intensives Motiv ist was dazu führt dass das Gewalt passieren kann das Missstände
00:40:00: weiter bestehen bleiben können
00:40:01: wenn man sie zwar sieht und wahrnimmt aber nicht wahrnehmen will und sich selber immer wieder einredet dass das gar nicht sein kann.
00:40:08: das
00:40:08: was ich glaube was ich eigentlich sicher weiß darf nicht sein was in diesem Fall ja sehr präsent ist, dass eigentlich viele Leute vieles
00:40:18: wussten
00:40:19: und viel mitbekommen haben.
00:40:20: Aber nie damit zu dem Menschen selbst gegangen sind oder auch nicht zu anderen Menschen gegangen sind.
00:40:25: Man redete da aber nicht drüber.
00:40:26: Und ich glaube dieses
00:40:28: Verschweigen von
00:40:29: Dingen die ich sehe, die falsch laufen – das ist das, was dazu führt, in die falsche Richtung gehen kann oder in eine möglicherweise falsche richtung gehen kann und die leute irgendwie so abhatscht dabei zuzuschauen scheinen.
00:40:46: also es gibt natürlich viel gegen wer gegen alles mögliche.
00:40:50: aber es gibt auch viele leute, die sich das anschauen und nicht wahr haben wollen was in der gesellschaft schiefläuft.
00:40:58: Und ich glaube dass das ist was damals schon gesehen wurde.
00:41:04: Ich fand ganz interessant, dass das Buch auf jeden Fall schon diese ganz kleinen Anfänge mit beleuchtet.
00:41:10: Wo eben Schweigen und Misstrauen losgehen?
00:41:13: Also wir haben sehen wo die Freundinnen sich gegenseitig Sachen nicht anvertrauen, wo man als Leser so dabei sitzt und denkt Gott jetzt redet doch miteinander.
00:41:21: ihr braucht diese Informationen beide.
00:41:23: Ihr müsst beide wissen was da passiert ist damit ja die nächsten Sachen einfach leichter laufen zwischen euch auch Und da geht es schon los.
00:41:30: dann schweigen in der Familie dass die Leute einfach keine gute Kommunikationsebene mehr haben miteinander, dass ihnen so ein bisschen auch das abhandengekommen ist.
00:41:41: Ist das was, was zusammenhängt mit der Wende?
00:41:43: Mit dem Umbruch, dass alle überfordert sind oder ist das etwas, was du schon eher finden würdest?
00:41:48: Also ich glaube es gibt es auch vorher schon.
00:41:51: Es passiert nicht mit der wende.
00:41:52: Ich habe das Gefühl... gehabt bei der Recherche, dass es eher dieser Wunsch ist jemand
00:41:57: anderen zu beschützen.
00:41:58: Also ich nehme etwas wahr was schlimm ist und ich selber habe ein Problem damit und dann muss sich das nicht noch nach außen trauen.
00:42:04: Gabi erfährt bestimmte Dinge über den Mörder oder über den möglichen Mördern und will dann aber Hedy, der sowieso schlecht geht, was sie ja auch sieht und die viel mehr Angst hat als sie selbst offensichtlich oder scheinbar damit nicht noch belasten und merkt nicht, dass sie eigentlich ihrer Freundin helfen könnte wenn sie wenn sie die Informationen teilen und sich gegenseitig austauschen würden.
00:42:27: Und dieses Motiv von, ich will andere Leute nicht mit meinem Wissen belasten ist ein sehr präsentes aber auch ein sehr merkwürdiges, weil ich glaube dass, wenn ich mich selber mit meinem schrecklichen Wissen die ganze Zeit
00:42:40: trage
00:42:41: dann schade ich mir so sehr,
00:42:43: dass ich
00:42:44: am Ende keine Energie mehr habe um gegen das was mich gerade bedroht überhaupt noch aufstehen zu können oder dagegen vorgehen und
00:42:51: das abwenden.
00:42:53: Und deswegen ist dieses, ich behalte alles für mich weil ich andere Leute davor schützen will eigentlich ein sehr ungutes Verhalten.
00:43:03: Eine andere Sache die auch so ein bisschen ganz leicht mit vorkommt gerade wenn die beiden jungen Frauen mit ihren Eltern die ja natürlich noch in dem Dorf leben, die da Häuser haben die da nicht weg gehen wollen wenn sie probieren mit denen zu reden dass dann diese Also auch durch den Mord getrickert diese Furcht vor dem Fremden in Anführungszeichen, sich plötzlich durchbricht und Bahn bericht.
00:43:25: Dass da plötzlich Angst gehabt wird vor Leuten die von außen kommen, Angst gehabt werden vor irgendeiner Bedrohung, die in diese Gemeinschaft sozusagen reinkommt.
00:43:37: ist das so ein Versuch... gewisse Tendenzen, die wir politisch da jetzt sehen unter anderem im Brandenburg schon irgendwie psychologisch zu verorten.
00:43:48: Also dieses Motiv Angst vor dem Fremden zu haben das ist etwas was in der DDR sehr präsent war worüber aber nicht gerne gesprochen wird weil Der sozialistische Mensch ist ja per se ein Antifaschist.
00:44:03: Das ist sozusagen die Definition, die man sich selber gegeben hat.
00:44:06: Wir sind ein antifascistischer Staat und bauen einen antifaschaistischen Schutzwahl.
00:44:09: Und der Sozialist ist eben ein Anti-Fascist.
00:44:13: Er kann nicht fremdenfeindlich sein.
00:44:15: Wenn man dann doch Angst vor Fremden hat ... Dann behält man das für sich.
00:44:21: Weil irgendwie gegen das Weltbild spricht.
00:44:24: Dass man so aufgebaut hat.
00:44:25: Aber dass es dort Fremdenhass gab und rechtradikale Tendenzen in der DDR, auch in Brandenburg, gab ... Das ist lange vor dem Mauerfall klar.
00:44:35: Und viele Menschen haben das mitgekriegt.
00:44:38: Dass es diese Personen gab, die damals schon gegen Vertragsarbeiter beispielsweise Stimmung gemacht haben.
00:44:44: Weil die Fremd waren, die ihre Arbeitsplätze besetzen nach der Wende noch da bleiben, obwohl sie nix hätten wechseln sollen.
00:44:53: Gefühl
00:44:53: von die Fremden bedrohen mich.
00:44:57: Das ist was, das es damals schon auch immer gab und was es mit der Wende dann vielleicht noch
00:45:02: verstärkt
00:45:02: gab weil man in dem eigenen Vakuum, indem man plötzlich war auch noch gesehen hat, dass jetzt von außen ganz viel kommt.
00:45:10: Und das waren ja nicht ausschließlich vietnamesische Vertragsarbeiter sondern es waren ja auch ganz viele Personen aus dem Westen Leute die plötzlich über die Treuhand irgendwelche Betriebe übernommen haben, die jahrzehntelang vom Volk selbst verwaltet wurden und gut funktioniert haben in der Wahrnehmung bis Volkes jedenfalls.
00:45:29: Das waren alle mögliche Menschen die von Außen kamen für viele Menschen damals eine sehr bedrohliche Situation.
00:45:39: Und dann kommt zusätzlich noch dieser Mörder, der im Wald wohnen soll und nun aus der Wahrnehmung der Menschen damals völlig fremd war weil er ... irgendein Fetisch zu haben schien und den Frauenkleidern auftrat.
00:45:55: Das war nun was, was ja noch zusätzlich dazu beigetragen hat dass man ihn als völlig fremd und andersartig markiert hat.
00:46:02: das ist mir auch immer wieder in den Gesprächen dass die Leute gesagt haben, es war ganz klar.
00:46:08: Für alle war's völlig klar, der muss von außen gekommen sein.
00:46:11: Wir hier in unserer DDR ist ein abgeschlossener Raum.
00:46:14: Hier kann nichts reinkommen und alle wissen wie man sich benimmt.
00:46:21: Wenn so'n Unhold im Wald wohnt, dann muss er aus dem Westen gekommen sein oder aus irgendeinem anderen Land gekommen sein?
00:46:28: Es kann gar nicht anders sein!
00:46:32: Das ist dieses Auslagern von dem eigenen Potenzial schlecht zu sein.
00:46:39: Jeder Mensch hat das Potenzal, schlechte und schreckliche Dinge zu tun.
00:46:43: Und das auf den Fremden auszulagern ... Damit kann ich mir versichern, dass wir alle gute Menschen sind.
00:46:50: Wir können das ja nicht.
00:46:52: Wenn es Schlechtes gibt, kommt das von außen.
00:46:55: Es ist so ein Doppelschlag irgendwie da drin.
00:46:57: Also zum einen, das was du jetzt gerade schon beschrieben hast genau diese Angst und dieses Auslagern mit... Das kommt dann von aus.
00:47:03: und gleichzeitig die Verdächtigungen im Dorf selber in der Dorfgemeinschaft selber mit, dass man guckt wer geht da weg vom Norm?
00:47:11: Genau!
00:47:12: Richtig ja.
00:47:13: Komplettes Auslag an sozusagen des Vertrauens Keine besonderen Auffälligkeiten heißt.
00:47:19: der Kriminal-Roman ist seit Anfang März in der Edition Nautilus erschienen und hat knackige, zweihundert neunzig Seiten.
00:47:29: Liebe Sophie Sumporane!
00:47:30: Vielen vielen Dank für das Gespräch.
00:47:31: Ja, vielen dank für die Einladung.
00:47:40: In der nächsten Folge hat Friedhof Küchemann unseren Kinderbuch-Experten-Theman Sprekelsen zu Gast.
00:47:44: Die beiden reden dann über Kinder- und Jugendbücher, die in Amerika auf Schulbibliotheken verbannt wurden.
00:47:50: Die Folge ist vom neunundzwanzigsten März anzuhören über Apple Podcasts bei Faznet und in den Apps der FAZ – für Abonnenten aber nur.
00:47:59: Wie übrigens alle Episoden des Bücher-Podcasts, aller anderen Podcast der FAZ und eben alle Artikel auf Fatsnet.
00:48:06: Und in unseren Apps!
00:48:07: Falls Sie noch nicht zum Kreis unserer Abonnenten gehören, testen sie unser F plus Abo jetzt drei Monate lang für ein Euro im Monat alles weitere dazu in den Show Notes.
00:48:17: Vielen Dank fürs Zuhören und bis bald.