00:00:09: Wie schreiben, wenn Sprachlosigkeit und Scham der bis dahin gewohnte Modus waren?
00:00:15: Diese Frage steht hinter dem Buch um das es heute geht.
00:00:18: Vaterlos von Thomas Medikus laut Untertitel ein Tatsachenromal.
00:00:24: Der Autor behandelt in diesem Buch mit erzählerischen Mitteln die Tragödie seines Lebens Den Selbstmord des Vaters eines erfolgreichen Landarztes der von einem Tag auf den anderen aus der vierköpfigen Familie verschwindet und verschiedene Formen von Einsamkeit und Trostlosigkeit zurücklässt.
00:00:44: Er, der selbst trostlos war!
00:00:48: Von nun an aber möchte ich nicht mehr vom Auto sprechen sondern von seinem Buch – das keine reine Autobiografie ist, sondern etwas die mich dem altmodischen Begriff «Erkundung» geben würde.
00:00:59: Denn was der Autor als siebzehnjähriger und auch in den Jahren darauf möglicherweise nicht konnte umgehen mit einem Trauma, Antworten finden auf Fragen die kaum zu stellen sind.
00:01:10: Dazu sind Texte vielleicht fähig weil sie im ruhigen Nachdenken der freiwillige Rückschau entstehen, weil Sie sich gestalten und überarbeiten lassen, weil sie Erkenntnis nicht verpulvern sondern konservieren man könnte auch sagen sammeln und starteln Und weil sie am Ende einen Resonanzraum schaffen der auch lange nach der Beendigung des Schreibens noch Echoes hervorbringt.
00:01:34: Mit dem heutigen Podcast und nach mehr als fünfzig Folgen verabschiede ich mich von allen Hörerinnen und Hörern, aber was ich darüber denke und wer meine Nachfolgerin wird dazu mir am Ende des Podcasts.
00:01:46: Heute ist Sonntag der dritte Mai, zwei tausend sechsundzwanzig.
00:01:49: Ich bin Paul Ingendei und ich freue mich dass sie dabei sind!
00:02:03: Schwierigsten, aber auch ansprechendsten Bücher und zwar schwierig weil es ein sehr privates Buch ist.
00:02:10: Darum müssen wir reden!
00:02:12: Aber auch anziehend und spannend, weil es mich aufgewühlt hat eben wegen der Umsetzung von einem großen Thema in eine Form des Schreibens.
00:02:26: Das ist ja immer die alte Frage.
00:02:28: Bevor ich jetzt weiter theoretisiere, möchte ich dich, lieber Thomas, konfrontieren mit dem Genrebegriff Tatsachen-Roman.
00:02:36: Vaterlos?
00:02:38: Tatsachen Roman!
00:02:40: Was hast du dir bei dem Genres gedacht?
00:02:43: Ich fand das die beste Bezeichnung für dieses Genre ist, dass eigentlich gar nicht bekannt ist.
00:02:52: Jeder wird sich fragen, was ist eigentlich ein Tatsachen-Roman?
00:02:56: Das ist auch etwas beabsichtigt.
00:02:58: Dass man sich als Leser das fragt, worum geht es hier eigentlich... Ich fand es sehr passend weil dieses Buch ist weder das eine noch das andere.
00:03:10: Also das ist kein rein dokumentarischer Text.
00:03:14: Das ist kein trockener Bericht und zu meinem Schreiben gehört generell dass ich Literarisch schreibe.
00:03:24: Insofern erschienen wir das passend zu sein, da ließ es sich noch viel zu sagen denn was in diesem Begriff steckt oder in dieser Genrebezeichnung ist ja eine gewisse Ambivalenz und dieses Thema oder das Motiv des Ambivalenten zieht sich durch das ganze Buch.
00:03:42: Ich möchte direkt reinspringen und mich noch ein bisschen an diesen Begriff entlang hangeln.
00:03:49: die Tatsachen die du als Autor Thomas Medikus Schilderst betreffen eine Figur, die T-Punkt genannt wird und so nennen wir ihn auch.
00:03:59: Wir wissen alle dass das Beschriebene nicht identisch ist mit dem Schreibenden.
00:04:05: Das ist ja immer so.
00:04:06: es gibt also eine Spannung, es ist eine Abstraktion wenn man so will.
00:04:10: Wir nennen ihn Tee und die anderen Namen in den Buch für die Familienmitglieder sind erfundenen Namen.
00:04:17: Auch das ist nicht schlecht zu wissen, obwohl es im Buch so nicht steht – man weiß es nicht!
00:04:22: Aber es ist der unglaubliche Fall des Selbstmords des Vaters, der einen, wenn man so will, doppelt Selbstmord versucht, denn eine junge Frau ist bei ihm die aber nicht sofort stirbt erst später und das zerschlägt eigentlich die Kernfamilie von der Tee und auch seine Schwester Charlotte Teil sind.
00:04:46: Und Sophie ist die Mutter, die Ehefrau von diesem Otto, die also völlig zerstört zurückbleibt von diesem Ereignis?
00:04:53: Das ist ja mal das Ereigensum, dass es geht.
00:04:56: und ist es in Ordnung wenn ich sage der Buch ist eigentlich eine Erkundung aus der Sicht von Tee, der aber auch die Familien mit Peter sich anschaut wie die das vor allen Dingen Sophie, die Mutter wie sie damit umgehen.
00:05:12: Absolut richtig!
00:05:13: Also das Buch behandelt im Grunde genommen zwei Fragen, ganz einfache Fragen.
00:05:19: Was ist passiert und welche Auswirkungen hatte dieses Geschehnis von dem du gerade gesprochen hast?
00:05:25: Und das auch im Zentrum steht.
00:05:28: Das Zentrum des Buches ist dokumentarisch.
00:05:32: aber ich habe mich natürlich vor die Frage gestellt als er mich entschlossen hatte darüber zu schreiben wie schreibe Ich Darüber?
00:05:41: also dass war klar musste gefunden werden in welcher Sprache schreibe ich?
00:05:49: und das war sehr schwierig.
00:05:53: Ich habe ganz viele Entwürfe geschrieben, das mache ich sonst nie, das habe ich bei meinen anderen Büchern eigentlich nie gemacht.
00:06:01: als Journalist der ich mal gewesen bin, macht man das eigentlich auch nicht.
00:06:06: Man legt einfach los!
00:06:08: Man ist gewohnt hier in einer Deadline und bis dahin muss sich fertig sein.
00:06:12: also legt man los.
00:06:13: wenn man sich dann verzettelt dann ist es nicht so besonders professionell.
00:06:17: An dem Punkt muss ich einhaken und fragen.
00:06:20: also weil das Boot ist nahelegt darf ich fragen wann du zum ersten Mal gedacht hast du könntest darüber schreiben oder müsstest darüber schreiben?
00:06:29: Ja das ist eine interessante Frage.
00:06:31: Ich könnte jetzt darauf antworten, ich habe eigentlich immer daran gedacht darüber zu schreiben.
00:06:39: Irgendwann ist mir klar geworden das Vieles was ich bis zum Zeitpunkt an dem ich mich entschlossen habe dieses Buch zu schreiben Deckerinnerungen doch über diese Geschichte meiner Familie beziehungsweise meines Vaters geschrieben haben.
00:07:01: Darf ich
00:07:02: auch hier einhaken und sagen eines deiner Bücher ist eine Vater-Sohngeschichte, nämlich eine Doppelbiografie von Heinrich Georgi und Götz Georgi.
00:07:11: Wäre das auch ein Verbindungsglied?
00:07:13: Absolut!
00:07:14: Also das war, würde ich sagen in der Reihe meiner Bücher war es die vorletzte Stufe, die ich gezündet habe.
00:07:22: was war die letzte Stufe?
00:07:24: Das war die Biografie über Klaus Mann.
00:07:27: Auch
00:07:27: wieder eine Vatersohngeschichte?
00:07:29: Eine Vatersohngeschichte und jemand, der sich das Leben genommen hat.
00:07:34: Also Klaus Man ist ja sozusagen der Inbegriff des Selbstmörders.
00:07:39: man kann gar nicht zählen wie viele Suizid versuche er im Laufe seines Lebens begonnen hat.
00:07:45: Und vor langer Zeit hat tatsächlich mal jemand zu mir gesagt Der aus meiner Heimatgegen kommt Wird sie nicht mal darüber nachdenken, dass du nicht immer Umwege nimmst oder Seitenwege gehst?
00:07:59: Sondern warum schreibst du eigentlich nicht gleich über deinen Vater?
00:08:04: und meine Antwort war damals das ist mir nicht möglich.
00:08:07: Naja, das ist eine sehr gute Antwort.
00:08:09: wir werden gleich auch mal konkret in das Buch gehen.
00:08:11: aber es ist glaube ich wichtig, dass jetzt gerade so ein bisschen abtasten.
00:08:15: Ich habe nämlich tatsächlich deine bisherigen Bücher soweit ich sie kenne natürlich nicht als verklausulierte Beschäftigung mit dem Thema gelesen.
00:08:26: Nein, das ist richtig!
00:08:27: Das war mir selbst auch nicht klar.
00:08:31: Ja also bei Klaus Mann konnte ich das nicht mehr vor mir selbst verbergen.
00:08:36: Hast
00:08:36: du den Retrospektiv bei dem Material zu Klaus-Mann gedacht?
00:08:40: Eier Heinrich Georgi Götzgeorge isst ja auch eine Vatersohn.
00:08:45: Hat es dann so ein bisschen wie die Puzzleteile zusammengepasst?
00:08:48: Ja
00:08:48: das hat zusammen gepasst.
00:08:50: jetzt erst hat mich einen einer meiner besten Freunde darauf aufmerksam gemacht, als den ich auch immer wieder um Rat gefragt habe während ich an diesem Buch vaterlos geschrieben habe.
00:09:02: Dass dir zu mir sagte du beschreibst ja eigentlich immer Familienaufstellungen.
00:09:08: Das war mir eigentlich nicht klar weil und das kommt auch in meinem Buch vor Ich lange lange Zeit ein ganz tiefes Misstrauen Familie hatte, also in die Institution der Familie und auch der Ehe.
00:09:23: Inzwischen habe ich selbst Familie, hab einen Sohn... Aber das war ganz hartnäckig über Jahrzehnte eigentlich.
00:09:33: Das
00:09:33: Buch beschreibt es ja auch!
00:09:34: Und vielleicht kann ich's mal kurz für die Hörer charakterisieren?
00:09:37: Es ist ein Buch von gut zweieinhalb Seiten, es ist ein in der Tat erzählerisches Buch, dass eigentlich auch beschwört Orte Zeiten, Stationen des Lebens.
00:09:48: Dieses Tee und als dieser Selbstmord des Vaters der hier Otto genannt wird geschieht ist Tee achtzehn, siebzehn oder achtzehnt?
00:09:57: Siebzehnte.
00:09:58: Er geschah am zehnten März dann seit einundsevzig und dieses Datum ist auch wichtig weil es ein bisschen umkreist und dann wird immer wieder in kleineren Szenen eigentlich werden, die Folgen beschrieben.
00:10:14: Vor allen Dingen natürlich für Tee aber auch für Sophie, die Ehefrau, die zurückbleibt und die ohnehin fremd war in der Gegend – wir reden von einer fränkischen Provinzstadt wo Otto Landarzt war.
00:10:28: erfolgreicher Mann hat genug Geld verdient, um der Familie ein schönes Leben zu geben.
00:10:34: Und Sophie war Hausfrau aber sie hatte eine Vergangenheit, eine Vorgeschichte in einer Fluchtgeschichte aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg und da ist im Grunde eine alte Sehnsucht geblieben und auch eine Mentalitätsdifferenz die nicht aufgehoben werden kann, die eine große Rolle spielt ja?
00:10:51: Ich habe das gerade mal so ein bisschen gebündelt.
00:10:54: ich möchte kurz verharren bei Otto und Sophie dieser Ehe-Geschichte.
00:10:59: Bundesrepublikanische Erfolgs-Story ist auf den ersten Blick
00:11:03: schon
00:11:03: ein
00:11:03: Haus,
00:11:05: Wohlstand wächst.
00:11:05: Die beiden haben sogar in München meine Wohnung gemietet um da Wochenenden zu verbringen und Musik zu genießen mal auszugehen.
00:11:13: also es hat sogar einen Hauch ins Mondäne
00:11:17: ja
00:11:18: im bescheidenen bürgerlichen Marsch.
00:11:19: aber es gibt so etwas.
00:11:20: und könnte man Otto und Sophie auch als exemplarisch Bundesrepublik, früher Bundesrepublic bezeichnen.
00:11:29: Ja das könnte man so sagen.
00:11:30: ich lasse mich noch einen Satz oder zwei Sätze dazu sagen.
00:11:34: alle Namen sind erfunden also es gibt nur Vornamen sind alle erfunden aber nicht die Nicht der von Otto.
00:11:41: Otto ist der authentische Name.
00:11:44: Das war mir nicht möglich diesen Namen auszutauschen.
00:11:48: Also Der Vorname Otto ist sozusagen der Kernbestand des authentischen oder dokumentarischen in diesem Buch.
00:11:57: Und darf ich sagen, dass die zwei T's in Otto das eine T im Vornamen des Helden, der Hauptfigur?
00:12:06: Richtig!
00:12:06: Da gibt es auch noch... Das ist ja aufgefallen.
00:12:09: Also Otto spielt in dem Buch gleich zu Anfang eine ganz große Rolle weil Otto ein Name ist, der für Kinder ganz leicht in sehr frühem Alter auszusprechen Und diese beiden Kinder von Otto, Tee und Charlotte ihren Vater nie Vater nennen.
00:12:31: Sondern immer Otto!
00:12:32: Also es gab streng genommen diese Vaterfigur in dem autoritären Sinn.
00:12:40: die gab es gar nicht.
00:12:42: Es gibt
00:12:43: eine sehr schöne Formulierung wenn ich das hier kurz einfügen darf über den Vater.
00:12:48: er war keine väterliche Autorität Ein sanfter, empfindsamer Mann.
00:12:54: Im Grunde eine ungewöhnliche Figur für die Nachkriegszeit?
00:12:57: Ja in jeder Weise eine un gewöhnlichen Figur.
00:13:01: also die jenige Person die wie man so schön sagt oder damals sich zumindest gesagt die Hosen anhatte das war die Mutter Das ist Sophie aus vielerlei Gründen.
00:13:17: sie war Offizierstochter kam, wie du schon gesagt hast aus dem Osten und hat dieses familiäre Erbe verwaltet zusammen mit ihrer Mutter muss man dazu sagen.
00:13:31: Und auch versucht im Nachkriegsdeutschland in gewisser Weise weiterzuleben beziehungsweise überhaupt erst zu leben.
00:13:42: Das musste auf ein Konflikt Hinauslaufen, das ist also den Habitus eines preußischen Offiziers erstens in Gestalt einer
00:13:52: Frau
00:13:54: zum Verhaltensstandard für die Kinder und die Familie insgesamt zu machen.
00:13:58: Das konnte ihren Süddeutschland überhaupt nicht funktionieren.
00:14:02: Nee,
00:14:04: das war absolut unmöglich!
00:14:06: Es gibt in dem Wuch diese Mentalitäts- spezifischen Beobachtungen, die wirklich zwischen Süden und Osten da gibt es etwas was nicht zusammengeht.
00:14:16: Man muss sich klarmachen, ist mir jetzt auch erst im Nachhinein klar geworden.
00:14:20: Als ich über die Geschichte nachgedacht habe dass da eine unglaubliche mentale Spannung herrschte innerhalb dieses Ehepaars zwischen diesen beiden Ehepartnern, die auf einer unglaublichen geografischen Distanz ja auch beruht und das ist eine kulturelle Distanz.
00:14:44: Da kann man sagen, das ist vielleicht ein Hinweis darauf oder es ist ein Faktor warum diese E dann auf diese absolut destaströse Weise gescheitert ist.
00:15:00: Das
00:15:00: kann nur ein Faktor sein!
00:15:02: Das habe ich ganz streng vermieden weil es auch Grundgrund falsch wäre irgendetwas anzubieten wo man als Leser denkt aha
00:15:13: Genau.
00:15:13: Du erzählst auch nicht eine komplette Ehrgeschichte, aber die Züge mit dem Suizid des Vaters zusammenhängen – den Folgen für die Familie werden beschrieben.
00:15:22: Bevor wir gleich mal einen kleinen Passage von dir hören, gibt es noch eine Sache, die ich abhaken muss hier auf meiner Liste!
00:15:30: Diagnose hieß manisch depressiv, kann man schon sagen.
00:15:34: Und die Begriffe Geisteskrankheit, Depression und alles das was damit einhergeht.
00:15:40: Das war sicherlich in den frühen siebziger Jahren anders besetzt als heute, anderes Bewusstsein von solchen und vor allen Dingen war es in einer kleinen Stadt Skandalöser also ungewöhnlicher.
00:15:51: wenn eine Frau sagen muss mein Mann ist depressiv, dann ist er praktisch verrückt und nicht mehr zu.
00:15:58: Und wenn er sich umbringt, ist das ein Urteil über das ganze Leben aller die zu der Familie gehören?
00:16:05: Das muss man ja einfach sagen!
00:16:06: Also
00:16:08: das war auch wahr für diese Familie vollkommen unmöglich zuzugeben dass der Vater das Familien überhaupt eine psychische Krankheit hat.
00:16:19: schon allein deshalb weil die Leute nicht nur geglaubt hätten, der Mann ist verrückt geworden sondern es gab diese große Angst die Praxis würde dann nicht mehr funktionieren.
00:16:30: Es würde niemand mehr als Patient zu einem verrückt gewordenen Arzt gehen.
00:16:35: das war eine ganz ganz große Angst.
00:16:38: Abgesehen davon gab es im weiteren Umkreis nur einen einzigen Psychiater zudem man dann mehr oder weniger verschämt hinging.
00:16:50: und Otto ging dann in eine doch etliche hundert Kilometer entfernte psychiatrische klinik um dort so zwei bis zweieinhalb monate sich aufzuhalten, um wieder gesund und arbeitsfähig zu werden.
00:17:06: Also diese spannung wird auch in dem buch sehr klar ein.
00:17:09: sehr knappen sehr dicht erzählten szenen dass hier einen mann ringt um die möglichkeit weiterzuleben ja in einer einerseits materiell gesicherten Existenz, aber in einem Umfeld wo es überhaupt kein Verständnis geben kann für Krankheit.
00:17:30: Ja also das Verständes gab es noch nicht mal in der eigenen Familie.
00:17:37: Also Sophie hat dann die Kinder abgeschirmt von dem Vater und hat ihnen am Ess-Tisch mitgeteilt.
00:17:45: Der Vater, euer Vater liegt im Bett oben Der hat nicht die Kraft das Bett zu verlassen, er weint.
00:17:55: Er ist verzweifelt und das Interessante daran oder bedenkliche und traurige daran ist dass die Mutter nicht gesagt hat oder auch die Kinder nicht auf die Idee kam geht doch mal hoch zu eurem Vater und tröstet ihn.
00:18:11: Sondern da wurden sofort Grenzen errichtet und es hatte ganz lang ganz schlimme langwierige Folgen in einem Entfremdungsprozess der Kinder gegenüber ihrem Vater
00:18:24: und natürlich
00:18:24: auch zwischen den Ehepartnern.
00:18:26: Ja,
00:18:26: ja das wird sehr spürbar!
00:18:29: Die Stelle die ich gleich hören möchte wie du uns vorliest hat mit der Kirche zu tun weil das kommt relativ spät im Buch die Bedeutung von Kirchen und ich habe mich hier notiert Ort des Trostes der Einkehr der Aufgehobenheit Raum der Reflexion aber nicht streng religiösen Sinne, wie wir das sonst so kennen würden.
00:18:54: Ich bitte dich einmal Thomas jetzt daraus zu
00:18:57: lesen.".
00:19:01: Es gab noch einen anderen Grund dafür warum Tee die vielen Kirchen, wo auch immer sie standen magnetisch anzogen.
00:19:09: mit seiner Großmutter der Mutter seines Vaters war er als Kind häufig in die Kirche gegangen nicht unbedingt zum Gottesdienst sondern nur für eine kurze Andacht.
00:19:19: eher ein Vorbeischauen als sein Gebet Tee durfte die Kerzen anzünden und auch sie erlaubte ihm, eine Münze in den Opferstock zu werfen.
00:19:29: Man sagte der Großmutter, die protestantisch war aber aus einer katholischen Gegend kam einen Hang zum Katholizismus nach.
00:19:38: Ihr religiöses Verhalten war stark von Ritualen bestimmt und sie überhielt enge Beziehungen zur katholischen Gemeindeschwester der Kleinstadt.
00:19:48: Daran war nichts Frömlerisches.
00:19:50: es war eine stille Gewohnheit die sich auf Tee übertrug.
00:19:54: Sie hatte mit dem Schmerz, um ihren Vater zu tun – der sich wie später ihr Sohn das Leben nahm als sie dreiundzwanzig Jahre alt war.
00:20:03: Die längste Zeit ging Tee der sakralen Gewohnheit seiner Großmutter nach ohne von deren Ursprung zu wissen oder darüber nachzudenken.
00:20:13: Aber als die Erkenntnis da war ersetzte sie viele Stunden auf der Couch des Psychoanalytikers.
00:20:21: Seine Großmütter hat etwas zu verwinden.
00:20:24: Das war eines ihrer Hauptwörter.
00:20:26: Dass es Dinge gebe, über die man nur schwer hinwegkomme, war damit gemeint.
00:20:32: Dasses Täh ähnlich erging, merkte er nur wenn er eine Kirche besuchte nirgendwo sonst.
00:20:39: Betrat Täh eine Kirsche geschahnt seltsame Dinge mit ihm.
00:20:44: Es war ein Automatismus.
00:20:46: Er war ihm ausgeliefert, sah darüber nach wie er sich Einheit gebieten könne, schämte sich Auf den.
00:20:53: Altarblickend stand ihm im Nu seine Großmutter vor Augen, wie sie neben ihm in der Kirchenbank gesessen hatte und dann erschien mit Macht sein Vater in seiner Erinnerung und er vermisse ihn.
00:21:06: Jahre, Jahrzehnte im Zaum gehaltenes seelische Schmerzen drohten hervorzubrechen – das Leben oder was immer es war hat er verlangt!
00:21:15: Er dürfe sich vom Schmerz nicht wegreißen lassen.
00:21:18: Es müsse doch etwas aus ihm
00:21:19: werden.".
00:21:21: Er konnte sich nicht mehr an den Zeitpunkt erinnern, von dem an sich seine Kirchenbesuche häuften.
00:21:27: Nicht mehr bloß aus kunsthistorischem Interesse sondern aus einem unklaren inneren Bedürfnis und es ihn sobald er ins kircheninnere trat vor allem wenn Orgelklang hinzukam zuwürgen begann und ist eine unbändige Kraft kostete die Träne zu ersticken.
00:21:46: Tee kam sich jedes mal ganz nervig dabei vor Aber niemand beachtete den Nachen.
00:21:54: Vielleicht war er
00:21:55: keiner.".
00:21:59: Vielen Dank, lieber Thomas!
00:22:01: Mir ist aufgefallen das beim Lesen dieses Buches auch bei mir einige Filme abliefen – ich bin ein paar Jahre jünger als du.
00:22:09: und da einige Dinge überschneiden sich also die Erfahrungsvorräte zum Beispiel der Dia-Abend als Medium für Familienzusammenhalt.
00:22:21: Das ist hier zwar sehr behutsam und klein, aber es ist wirklich wichtig.
00:22:27: Absolut ja!
00:22:28: In der Kindheit der Diabendiersammlung... Ja,
00:22:33: das ist einfach ganz großartig Dias.
00:22:36: im Zug der Recherche zu diesem Buch habe ich mich befasst mit der Analogenfotografie, aber auch mit der Super-Achtfilmerei Und ich hab mir extra ein Projektor gekauft, um die Super-Achtfilme anzuschauen.
00:22:50: Die aus dieser Zeit übrig geblieben sind und ich habe mir einen Dia-Projektor gekauft und konnte dieses wunderbare Klacken hören.
00:23:00: Das Interessante war in diesem Fotofachgeschäft war ein Verkäufer der das alles ganz großartig fand und der zu mir sagte es gibt keine digitale Farbphotografie mit einem Dia mithalten kann.
00:23:15: Und das finde ich auch.
00:23:17: Und zwar was dazukommt, das kennen wir ja aus dem Kinos war eben so eine frühe Form des Heimkinos.
00:23:24: es muss dunkel sein man ist also mit dem Bild konfrontiert und in diesem dieser dunklen Höhle wo die Bilder erscheinen steigen dann eben auch die Erinnerung auf.
00:23:38: lasst mich folgendes sagen mir ist immer der Die schöne Formulierung von Walter Benjamin in Erinnerung geblieben.
00:23:45: Nemotechnischer Behelf und das ist, dass dir... Das sind aber auch die Schwarz-Weiß Fotografien, von denen es einige in dem Buch gibt.
00:23:56: Und das ist auch der Superachtfilm.
00:23:58: Aber
00:23:58: natürlich!
00:24:00: Da hängt sich eine kleine Mediengeschichte der Bundesrepublik.
00:24:03: Indirekte Reflexion darüber ja wie reproduziert man eigentlich Erinnerungen?
00:24:09: Natürlich mithilfe von Bildern, verschiedener Art.
00:24:14: Ich glaube du sagst es einmal oder ich habe es mir dazu gedacht.
00:24:17: Es wird dann auch mal gesagt dass er oder zumindest steckt ist in dem Buch Dass man sich eher an ein Foto erinnert als anders reale Ereignis das das Foto abgebildet hat.
00:24:27: Aber es gibt etwas ganz Wichtiges.
00:24:29: Machs das ja wirklich mit formaler Raffinesse.
00:24:34: Ganz am Ende des Buches tauchen noch einmal Dias auf als der älter gewordene Tee.
00:24:41: Noch einmal mit im Grunde Hinterlassenschaft der Familie konfrontiert ist, nämlich Sophie ist tot und mit über neunzig gestorben.
00:24:49: Sechs Dias sind übrig!
00:24:52: Ja in der Tat nach dem Tod von Sophie tauchten diese sechs Dias aus.
00:24:58: Von denen offenbar niemand mehr so recht wusste was eigentlich darauf zu sehen ist.
00:25:04: Dias, also Farbfotografien aus dem Haus.
00:25:08: Aus dem die Familie längst ausgezogen war und in dem sie gelebt hatte.
00:25:13: zu Otrus Lebzeiten das sogenannte neue Haus so wird es im Buch genannt.
00:25:21: Das ist ein seltsames Wieder eintauchen in Räume die man zwar eine Erinnerung hat, aber wenn man mit den Bildern dann konfrontiert sind es sieht doch ganz anders aus.
00:25:31: Absolut!
00:25:32: Ich meine diese Erfahrungen haben doch einige gemacht die sich mal mit nachlassen oder
00:25:36: im
00:25:37: Keller gefundenen Kisten beschäftigen.
00:25:39: Genau und es gibt eben eine Fotografie die ein riesiger Schock gewesen ist.
00:25:47: Es ist eigentlich kaum zu beschreiben.
00:25:49: das ganze Buch beschreibt ja etwas was man eigentlich gar nicht beschreiben kann.
00:25:53: Also wie beschreibt man Schmerz, wie beschreit man zählischen Schmerzen?
00:25:57: Wie beschreibt Man Trauer und melancholie usw.
00:26:02: Schmerze ist glaube ich das anspruchsvollste was man beschreiben kann Und dieses Bild ist eigentlich ein schmerzensbild.
00:26:12: Was ist darauf zu sehen?
00:26:14: Das Esszimmer der Familie?
00:26:16: das ist erstmal banal.
00:26:21: Ich und andere auch in Erinnerung hatten, aber... Der Tisch war gedeckt.
00:26:26: Also auf dem Foto sieht man der Tisch ist gedeckt.
00:26:29: Und man sieht keine Menschen?
00:26:30: Keine Menschen!
00:26:31: Ein Lehrer ist ein leeres Esszimmer.
00:26:34: Das ist ein Schreckensbild.
00:26:36: Es ist auch ein Schreckenbild Denn der Tisch is nur für drei Personen gedecked.
00:26:42: Der vierte Platz an dem Otto immer saß, der iss leer.
00:26:47: Und diese Lehre ist das Erschreckende dieses Bildes, denn es ist natürlich auch ein Schreckens- und Schmerzens- und ein Bild des Todes.
00:26:58: Dasjenigen der abwesend ist und dem man auch kein Teller mehr auf den Tisch stellen muss.
00:27:03: Ich
00:27:03: habe mich beim Lesen etwas gefragt und vielleicht ist es auch klug dass du das nicht thematisierst bei der Beschreibung dieser kurzen Szene nämlich wenn dieses Foto gemacht wurde Dann müsste es Sophie gewesen sein, die vorher den Tisch gedeckt hat für drei und der Platz von Otto bleibt leer.
00:27:25: Und dann muss Sophie, die das Foto gemacht hat einen Sinderen gesehen haben diese Aufnahme zu machen.
00:27:32: oder könnte Tee sie gemacht
00:27:34: haben?
00:27:35: Genau also das war eigentlich die Frage, die ich mir stellte Hat sie nicht Tee, hat nicht TEE diese Aufnahmen gemacht?
00:27:44: denn Sophie war keine Fotografin ist vielleicht die falsche Erinnerung oder die falschen Informationen.
00:27:52: Denn es gibt ganz, ganz frühe schwarz-weiß Fotografien Papierabzüge auf denen Otto zu sehen ist und die kann eigentlich niemand anders als Sophie gemacht haben.
00:28:02: also natürlich konnte sie ein Fotoapparat in der Hand nehmen und auf den Auslöser drücken.
00:28:07: das ist eine Frage die aber eigentlich dann nicht zu beantworten ist was?
00:28:12: Also dieses Bild gehört ja in einer Reihe von fünf anderen.
00:28:17: Und was ist darauf zu sehen, das sind die letzten Momente desjenigen der die Aufnahme gemacht hat in diesem Haus.
00:28:25: Denn es muss kurz vor dem Auszug aus diesem Haus gemacht worden sein müssen diese Bilder entstanden sein.
00:28:32: Es ist also der Versuch etwas zu dokumentieren was am nächsten Tag oder am übernächsten Tag verschwunden sein wird.
00:28:39: Und dann auch natürlich die Frage, warum dokumentiert man es so mit dieser klaffenden Lücke?
00:28:45: Es gibt in dem Buch – ich kann diese Reichhaltigkeit und den Reichtum des Buches nur andeuten weil es immer wieder Mini-Themen gibt, die ganz wichtig sind.
00:28:56: Ich nenne nun mal das Thema der Wohnung als solcher.
00:29:00: Du beschreibst ja auch so fies spätere Wohnungen, die zieht an Alpen und hat eine tolle Aussicht und verbringt da noch Jahrzehnte.
00:29:07: Sie wird sehr alt.
00:29:08: aber mit all diesen Dingen, die ein Mensch tut nach der Katastrophe sind immer Strategien verbunden des Weiterlebens, des Zurechtkommens oder auch verdrängens.
00:29:21: Es gibt diesen wirklich erschütternden Satz, den du schreibst so relativ früh im Buch über die Familie der drei, die noch übrig sind nach Otto's Tod.
00:29:31: Sie trauerten
00:29:32: nicht
00:29:33: weil sie nicht wussten wie und für die beiden sehr jungen Menschen um dies da geht.
00:29:38: das Geschwisterpaar ist klar dass die Mutter den Ton vorgibt.
00:29:42: Den Ton des Trauerns, den Ton des Zeigens oder Nicht-Zeigens Und das ist tatsächlich, finde ich für das Buch ganz wichtig.
00:29:50: Dass da die Kräfte der Familie auf verschiedene Weise auf Tee einwirken, der dann aber auch seinen eigenen Weg ins Leben geht nach Berlin zieht und Umzüge macht und rätselhafterweise gerne in fremden Wohnungen wohnt.
00:30:07: Was ist das für einen
00:30:08: Motiv?
00:30:09: Das ist das Motiv erstens der verdrängten Trauer würde ich behaupten Und es ist das vor allem, dass noch viel stärkere Motiv ein anderer sein zu wollen.
00:30:24: Nicht der Sohn dieses Vaters sein zu werden.
00:30:27: Denn ein riesiges Thema für die Familie war und das Thema ist auch in diesem Buch dominant – Das ist die Scham!
00:30:39: Das ist etwas was sich wahrscheinlich jemand, von solch einer familiären Katastrophe nicht betroffen ist, nicht vorstellen kann wie groß die Scham ist.
00:30:52: Man muss sich also vorstellen ein Landkreis weit bekannter Arzt dessen Vater auch schon Arzt gewesen ist Also alte eingesessen nimmt sich Nicht dort sondern in einer benachbarten Großstadt In einem Hotel das Leben mit einer Ungefähr fünfzehn Jahre jüngeren Frau.
00:31:18: Das war damals, also heute würde man sagen gut, siebzehnte Jahre was soll es?
00:31:25: Auch das war schon ein Skandal.
00:31:27: aber die Tatsache dieses Doppelsuizid oder versuchten Doppelzuizid war natürlich etwas was
00:31:39: drohte
00:31:41: Die Familie Grundlegend zu beschädigen bzw Die Familie, die Restfamilie mit dem sozialen Tod bedroht hat.
00:31:51: Darum ging es also... Man kann sich das ja ganz einfach vorstellen.
00:31:56: Man geht auf die Straße in einer Stadt, die rund zehntausend Einwohner hat und jeder weiß Bescheid, jeder!
00:32:03: Und es wird ständig darüber gesprochen.
00:32:06: Am schlimmsten war es natürlich für Sophie, die sicher hat sagen lassen müssen indirekt durch diese Hochdramatische Inszenierung des Doppelsuizids, um dich geht es hier überhaupt nicht.
00:32:20: Oder du bist gescheitert?
00:32:22: Du bist gesscheitert!
00:32:24: Lieber sterbe ich mit dieser Frau die ich kaum kenne als dass ich mit dir zusammenlebe mit dir, Sophie.
00:32:36: Mit der ich seit zwanzig Jahren verheiratet
00:32:38: bin.".
00:32:40: Das wird sehr spürbar und das natürlich auch der Held im traditionellen Roman Sinne.
00:32:47: Tee ist der Protagonist dieser Geschichte aber nicht in der Ich-Form schreibt sondern es wird über ihn geschrieben.
00:32:55: Es gibt eine gewisse Distanzierung des Erzählers von Tee mit all diesen Dingen allein zurechtkommen muss, also auch wenn man so will eine Fallstudie in Umgang mit der eigenen Seele und dem Versuch Freiheit zu finden.
00:33:14: Sich selbst zu definieren gibt ja mehrere Umzüge und es werden eben immer wieder Dinge beschrieben wie Tee raus kommen will aus einer Art von Melancholie über dieses Ding und über den Vorfall aber im Grunde noch keine rechte Antwort kriegt.
00:33:34: Das Ende des Borus hat etwas, wie ich finde von was man im englischen closure nennen würde.
00:33:41: es gibt eine art von trost weiß ich nicht aber doch in der gewisse versöhnung in geraden.
00:33:51: kann man das sagen?
00:33:51: Es
00:33:52: gibt eine versöhnung in gerade die darin besteht dass dieser t sich zugesteht dass er seinen Vater geliebt hat und um ihn trauern kann.
00:34:07: Und mehr noch ihn ansatzweise sogar verstehen kann, also zumindest den Versuch macht sich der Verzweiflung in dieser Vater diese Figur namens Otto sich damals befunden hat anzunehren.
00:34:27: Das ist das was anbietet.
00:34:33: Der Verzähler ringt ja in dem ganzen Buch eigentlich darum und er kennt es am Ende, dass das der völlig falsche Weg ist.
00:34:41: ich kann mich vollkommen von dieser Familie und von dem Suizidzeichen des Vaters ablösen.
00:34:51: Es wird irgendwann einmal im Laufe der Zeit nicht weniger eine Zeitpunkt als einen Ort geben, an dem das alles vorbei sein wird.
00:35:01: Deswegen auch der Versuch, von Tee immer wieder in anderen Wohnungen zu leben ist genau das was er damit beabsichtigt.
00:35:11: Der nennt es wird ja einmal im Buch als Fluchttier bezeichnet und das ist es genau.
00:35:18: also diese Bezeichnung des Fluchttiers meint ihr auch.
00:35:23: du lässt eigentlich gar nicht zu dass dich die Tat und dieser Schmerz umtreibt, sondern du bewegst dich einfach.
00:35:34: Du willst weg davon!
00:35:36: Und das ist wahrscheinlich die Lösung, die das Buch anbietet.
00:35:39: Das mag banal sein aber es ist natürlich für den Erzähler oder so wie der Erzählern den T schildert ein unglaublicher Kampf.
00:35:46: Ein großer Eindruck und das ist ja am Ende auch etwas gewonnen an eine Art Erkenntnis hat sich eingestellt.
00:35:53: Es gibt diese Stelle die mir auch sehr zu denken gab, die Zeit und der Schmerz.
00:35:59: das war eine innige Verbindung.
00:36:01: Und die redensweise Die Zeitheile alle Wunden hatte sich als Grundfalsch erwiesen.
00:36:07: Die Zeit hat eben nichts getan!
00:36:09: Der Erzähler muss sich die Figur Tee bewegen, aktiv nach etwas suchen – ob in Kirchen oder Wohnungen oder in Dokumenten oder im Nachdenken.
00:36:22: Die Figur T muss sich bewegen, um weiterzukommen im eigenen Leben.
00:36:27: Thomas man kann nicht so leicht ein Schlusswort finden hier.
00:36:30: ich möchte von meiner Seite erst mal sagen das ist ein wirklich beeindruckendes Buch und ich wünsche ihm allen Erfolg!
00:36:37: Ich danke dir sehr dass wir darüber sprechen konnten und wünsche dir Glück für die Lesungen.
00:36:43: Danke dir sehr
00:36:46: Vater Luz.
00:36:47: von Thomas Medikus ist erschienen im Verlag Rohwald Berlin hat und kostet vierundzwanzig Euro.
00:36:55: Wie schon gesagt, mit dem heutigen Podcast übergebe ich an meine Kollegin Maria Wiesner.
00:37:00: Natürlich haben wir uns darüber unterhalten was war und was an jedem ersten Sonntag im Monat kommt.
00:37:11: Paul!
00:37:12: Vier Jahre Bücher-Podcast?
00:37:15: Was hast du dir als Ziel gesteckt vor vier Jahren und wie gehst Du jetzt so
00:37:19: daraus?!
00:37:20: Ja, schöne Frage, Maria.
00:37:23: Ziel war eigentlich einen schönen Podcast zu machen Und ich gehe mit wirklich einem Glücksgefühl daraus, weil es einfach tolle Gespräche waren.
00:37:31: Ich habe am Anfang eine Sache nicht richtig eingeschätzt.
00:37:35: Ich dachte wenn man gerne ein bisschen quazzelt über Bücher wie wir das ja gerne tun und wenn man das ganz ordentlich kann... Dann braucht man nicht so viel Vorbereitung, dachte ich.
00:37:47: Das Gegenteil war der Fall.
00:37:49: Ich hab sofort angefangen die Sendungen eigentlich zu schreiben.
00:37:52: D.h.,
00:37:53: nicht jedes Gespräch zu schreiben aber das natürlich nicht damit es spontan bleibt.
00:37:57: Aber die Moderation komplett zu schreiben und habe dann erfahren dass das alle guten Leute sind.
00:38:03: Du kennst das ja?
00:38:04: Ja, ich kenne ... Man denkt so, das klingt alles so locker und nett im Radio oder über welche Welle auch immer.
00:38:10: Da ist so viel Vorbereitung drin, so viel Arbeit.
00:38:14: Und es wird besser wenn du das vorbereitest?
00:38:16: Ja immer!
00:38:16: Es klingt
00:38:17: einfach immer noch hoffentlich spontan.
00:38:20: aber und das andere ist was mich wirklich beglückt ist dass ich begriffen habe über die Jahre.
00:38:27: Das isst ein Medium wo du nachdenken kannst während du sprichst, während du langsam sprichest und wenn der Autorautorin Übersetzerinnen ganz viele ich hatte viele Übersetserinnen oder ein anderer Kollege Expertin usw.
00:38:43: Die empfinden das auch, dass der Podcast ein Raum ist wo man sich hinsetzt Zeit vergehen lassen darf und nachdenken kann.
00:38:51: Und das ist natürlich der Riesenvorteil gegenüber den Bildmedien.
00:38:54: die zeit ist ja niemals im bildmedium da aber Im höher medium ist die zeit und ich glaube das überträgt sich dann auch und wir haben so tolle zuschriften bekommen Das kennst du ja auch dass uns die leute treu hören weil sie irgendeines Gefühl haben, okay das ist ein Raum wo man etwas erzählt bekommt mit dem man vielleicht auch daraus gehen kann und genauer weiß warum man Bücher liest oder das nächste Buch lesen will.
00:39:20: Hast du festgestellt wenn du sagst Nachdenken beim Reden dass es einen Vorteil gibt vom Podcast gegenüber einer schriftlichen Rezension die man schreibt?
00:39:29: Also ich bin ein großer Verteidiger und Freund von Rezition nach wie vor und werde es immer sein.
00:39:35: Aber ich habe doch ein großes Plus im Podcast gesehen.
00:39:38: Und das ist ein bisschen, dass man A auf neue Ideen kommt – also der, der ihn macht, kommt auf neue Identien durch den Gesprächspartner und B, dass sich darüber beugen und anders anschauen oder ganz überraschende Dinge finden, der Blick auf das Buch einen ganz anderer Wert.
00:39:57: Schimmert das Buch anders, hat eine andere Farbe bekommen.
00:40:00: Und diese Bereicherung will ich eigentlich gar nicht mehr missen.
00:40:03: also Ich bin auch bereit später dann selber jetzt podcast zu hören muss ein bisschen suchen ich will keinen gequatscher haben Aber ich will doch eigentlich Leute die engagiert lesen und es gibt solche podcast.
00:40:15: Das ist wirklich, ich finde es ein wahnsinniger Vorteil dieses Mediums.
00:40:18: Dass man so Gleichgesinnte finden kann die einen dann wirklich bereichern... Ich erinnere
00:40:21: mich jetzt wir sitzen im selben Studium Maria wie bei der Weihnachtsendung sozusagen Jahresendsendungen wo wir unsere Bücher vorgestellt haben jeder brachte eins mit und auch das ist natürlich eine Art Gemeinschaft und die Lesegemeinschaft is ja ein Aspekt.
00:40:36: beim Podcast machen die wichtig Also der wichtig.
00:40:40: Dieser Aspekt ist wichtig und man spürt, dass dieser Form des Austauschs was Schönes ist ja?
00:40:45: Und mit dem Gedanken gehe ich raus.
00:40:47: Ich gehe sehr dankbar aus und sage mir Ja dieses Medium wird mich eigentlich nicht mehr verlassen glaube ich.
00:40:54: Maria jetzt müssen wir übergehen zu dir denn du übernimmst und ich habe einige Fragen an dich Denn auch wenn Du schon uns einiges erzählt hast Auch hier vor wenigen Monaten als Du Dein Jahres Buch mitgebracht hast.
00:41:10: Was war deine Erfahrung, deine erste oder frühe Erfahrung?
00:41:14: Mit dem Medium-Kriminalroman und dem Genre besser gesagt.
00:41:18: Und Science Fiction kommt ja auch rein bei dir.
00:41:21: Darüber weiß ich praktisch bei dir gar nichts.
00:41:23: Wann fing das an und wann hast du es ein bisschen systematisieren
00:41:27: können?".
00:41:28: Ich glaube, Krimi ist das Zufälligste bei mir gewesen.
00:41:31: Ich habe ganz viel meiner frühen Lektüre aus der Dorfbibliothek bezogen und neben den Jugendbüchern – das nächste Regal war es anschluss – die Kriminalliteratur wäre auch immer, dass da sortiert hat damals.
00:41:42: Und dann habe ich einfach das nächste Buch aus dem, was mich irgendwie interessierte.
00:41:45: Das war Sherlock Holmes und er hat mich so gefangen genommen, dass ich dachte okay, ich muss weiter gucken, was es noch gibt.
00:41:51: Darf ich fragen?
00:41:51: Waren da auch die roten...
00:41:54: Die Liga der Rotharigen.
00:41:55: Die roten Ergaser Christie und Edgar Wallace von Goldman?
00:41:58: Ja,
00:41:58: auch die!
00:42:00: Das war auch interessant.
00:42:01: bei Edgar Wallace habe ich dann wirklich festgestellt ah okay was ist schreiben wie viel ist Form, wie viel is... Ich mache so einen ähnlichen nochmal und noch mal weil man wenn man dann viel Edgar Wallace konsumiert stellt man fest erst doch ziemlich kein Schema.
00:42:14: er hat ein Muska
00:42:16: Lass mich das fragen, weil die Klassiker haben.
00:42:19: Ergasa Christie Edgar Wallace.
00:42:20: bei mir hat Edgar Wallace gar nicht Stand gehalten aber sie hat in gewisser Weise standgehalten weil sie eigentlich die interessantere Autorin ist.
00:42:29: Nicht nur die weltberühmte, sondern die ist die interessanterer Autorinn.
00:42:34: und das heißt du achtest immer noch jetzt auch nach so vielen Jahren schon auf formal neue Dinge?
00:42:40: Ja!
00:42:40: Und da passiert gerade... also genau das will ich eigentlich gerne um mir so ein bisschen näher angucken.
00:42:44: Da passiert grade auch sehr viel was wir ja im Blatt in der Grimmis Seite probieren abzubilden über die Genregrenzen so ein bisschen hinaus geht damit auch spielt mit Formen spielt probiert vielleicht auch noch von anderen genres bis hin was mit aufzunehmen.
00:43:01: der erste den ich mir eingeladen habe ist Colin Walsh.
00:43:04: das ist ein junger irischer autor der sein bü hat.
00:43:07: du lädt ihn ein Also
00:43:08: für als Gast, genau.
00:43:10: Das ist meine Debütfolge.
00:43:11: Aber
00:43:12: das ist ein Haufen Arbeit?
00:43:13: Ja ich weiß!
00:43:14: Das habe ich auch dann festgestellt weil du auch so viel den internationalen Horizont hattest.
00:43:20: in den Podcastsachen.
00:43:22: Dachte ich mir, ich nehme mir das zum Vorbild und probiere das so ein bisschen vorzuführen.
00:43:25: Und wenn du wirklich den fremdsprachigen Autor hast, dann hast du die Wahl ob du einen gebauten Beitrag machst oder ob du das Interview versuchst.
00:43:33: aber dann musst doch wahnsinnig viel übersetzen.
00:43:35: Ja, das werde ich alles rausfinden.
00:43:37: Ich finde
00:43:37: es toll, dass du das machst und ich hoffe, dass der Atem dafür reicht.
00:43:43: Gibt es Autoren oder Autorinnen, denen du über die Jahre die Treue hältst?
00:43:48: Obwohl du weißt, dass es natürlich auch eine Fabrikation ist.
00:43:53: Die wir zu Weihnachten hatten, Sarah Peretzki, das ist so ein... Das gilt die Pleasure von mir weil sie einfach wirklich so ne tolle Heldin hat, die mich immer noch begeistert nach all den Jahren.
00:44:04: getraut mich zu lesen und dann festgestellt, dass das tatsächlich auch wahnsinnig gute Bücher sind.
00:44:08: Die einen wahnsinnigt fesseln und mitnehmen und viel über Amerika.
00:44:12: und wie funktioniert so eine Kleinstadt?
00:44:13: Und was passiert da?
00:44:14: also?
00:44:15: diese Fantasiewelt- und diese Horrortropen die man da auch hat sehr viel Kritik an der zeitgenössischen Politik sein können.
00:44:23: Darüber
00:44:23: sprachen wir doch auch vor einigen Monaten.
00:44:26: Das habe ich noch im Kopf.
00:44:27: Und sowas finde ich super spannend.
00:44:29: Also da hoffe ich, beleuchten kann und vielleicht auch ein bisschen was im deutschen Raum.
00:44:35: Genau, ich hatte übrigens eine Sache oder einen Autornahme der mir einfiel nicht dass ich den D ins Herz legen wollte nur er fiel mehr ein weil ich seinen Debüt Roman vor über vierundzwanzig Jahren gelesen habe Friedrich Arnie.
00:44:50: Der fing als normaler Autor an und hat dann irgendwo die Kurve genommen die Ausfahrt genommen sozusagen in das Genre Krimi und er ist ja sehr erfolgreicher.
00:45:01: Ich kenne jetzt keine Zahlen, ist auch nicht wichtig.
00:45:03: Aber ich weiß er schreibt mit großer Regelmäßigkeit Krimis.
00:45:07: Er bekommt Preise dafür und es eine eingeführte Name.
00:45:10: Jetzt meine Frage damit du mal unseren Publikum einen Einblick in die Werkstatt gibst.
00:45:15: Konkret wie behält man den Überblick?
00:45:18: Man hat natürlich eine Riesenliste von Verlagen, die der Zeugs schicken.
00:45:24: Ich habe sehr
00:45:24: viel kräft, wenn wir zu Hause rumlegen.
00:45:28: Genau!
00:45:28: Die dann aufgemacht werden... Das ist immer noch der Part den ich sehr toll finde.
00:45:32: so man kriegt umsonst Bücher das
00:45:34: gibt's
00:45:36: und muss die dann.
00:45:36: also ich hab dann auch den Anspruch die tatsächlich alle zusichten das kennst du wahrscheinlich mal nächstes Jahr nicht alles dann komplett durch sondern
00:45:43: das kann man
00:45:44: nicht mehr.
00:45:44: dafür reicht die Zeit nicht weil dass es wirklich zuviel was auch publiziert wird Und ja, begibt sich dann da so auf diese Trüffeljagd und
00:45:52: guckt.
00:45:52: Was einen fesselt und begeistert und liest so rein und blättert durch und bei einigen... Also was mich wirklich immer wieder überrascht ist wie sehr einen doch Sachen gefangen nehmen von denen man noch gar nicht wusste dass es hier gibt und wo man sich dabei ertappt, wie man jetzt schon zwei Stunden in dem gleichen Buch liest und das an dem Abend auch noch gerne zu Ende lesen möchte.
00:46:10: Ja!
00:46:10: Das sind dann wo ich denke okay Das finde ich spannend, das könnte man.
00:46:14: Das heißt Maria du bist an jedem ersten Sonntag im Monat dran.
00:46:18: Das find' ich ein besonders schönes Datum.
00:46:20: Dann beginnt der Monat gleich mit einer Grimmi oder Science-Fiction.
00:46:24: Also ich wünsch dir viel Glück!
00:46:25: Ich freu mich sehr darauf das zu hören und natürlich unserem Publikum viel Spaß dabei mit Maria Wiesner.
00:46:32: Vielen Dank!
00:46:33: Das sind wirklich...ich muss sagen auch sehr große Fußstapfen die wir hier verlassen haben.
00:46:36: Dann werde mir große große Mühe geben diesen Platz schön zu füllen.
00:46:39: Danke
00:46:39: Maria!
00:46:40: Bis zum nächsten Mal
00:46:41: Tschüss.
00:46:45: allen Menschen, die an jedem ersten Sonntag im Monat diesen Bücher-Podcast gehört und mir ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben, danke ich von Herzen.
00:46:53: Es war eine Freude diese Bücher zu lesen mit ihren Autoren, Übersetzerinnen oder auch befreundeten Kolleginnen und Kollegen zu sprechen und zu wissen dass sie verehrtes Hörpublikum am anderen Ende saßen.
00:47:06: Bleiben Sie dran!
00:47:07: Leben Sie wohl und lesen Sie weiter.
00:47:10: Ein herzlicher Dank an Kevin Gremmel wie immer Für die Produktion der heutigen Folge und für die wunderbare Betreuung über die Jahre.
00:47:19: Kevin, ich werde dich vermissen!
00:47:30: Dies ist die eine Episode im Mai, die man wie jeden Monat überall dort hören kann wo es gute Podcasts gibt.
00:47:36: Wer alle Episoden unseres Bücher Podcasts hören will an jedem Sonntag kommt bekanntlich ein Neue und wer auch alle anderen Podcast der FAZ sowie alle Artikel bei FAZ-Netz in unseren Apps erreichen will, kann jetzt drei Monate lang für einen Euro im Monat FAZ Plus testen!
00:47:53: Wie das geht.
00:47:54: sehen Sie den Shownutz.
00:47:56: Am kommenden Sonntags erwartet sich hier eine Sonderfolge.
00:48:00: In vierzehn Tagen ist dann wieder mein Kollege Kai Spanke mit Sachbüchern dran.
00:48:05: Die erste Folge des neuen Bücher-Podcasts mit Maria Wiesner gibt es am siebten Juni, zwei tausend sechsundzwanzig.
00:48:11: Vielen Dank und machen Sie's gut!